Es
sind die kurzen(hochfrequenten) harten Stöße die den
Betrachter als Zitterbewegung bei der Vorführung von Videos
stören, nicht die sanften(niedrigfrequenten) wellenförmigen
Kamerabewegungen bei der Aufnahme. Man muss solche Stöße möglichst schon bei der Aufnahme meiden. Allerdings kann man auch in der Postproduktion
Wackler und Zittern in Clips entfernen
mit sog. Deshakern recht gut
entfernen.
Statisch und dynamisch wirkende Stative für
leichte
HD-Kameras (unter 850
Gramm!)
Sonys
HDR-HC3 mit ca. 650 Gramm Eigengewicht ist ca. 15mm kürzer als
unser ehemaliger DV-Camcorder Panasonic NV-GS400 und auch ca. 200 Gramm
leichter, was diesen HDV-Camcorder zum "Zitterkandidaten" macht trotz
elektronischer Stabilisierung (EIS). Meine
Canon HV30 wiegt komplett mit Weitwinkelvorsatz ca. 850 Gramm. Der
optische Stbilisator (OIS) der HV30 ist dagegen deutlich wirkungsvoller
bei der Aufnahme. Noch besser ist die Stabilisierung bei der
Bridge-Digitalkamera Canon Powershot SX1 IS im Videoaufnahmemodus
(Full-HD).
Handzittern
fällt bei Videos aus
HD-Kameras viel mehr auf als
bei Videos aus SD-Kameras.
Man spielt ja HD-Videos auch in
viel größeren Dimensionen ab
als SD-Videos.
Der größte
Feind des HD-Videos ist also
das hochfrequente Handzittern
und es gilt genau dieses vom
Camcorder zu entkoppeln.
Niederfrequente Kamerabewegungen stören
weniger, weil unser Auge
leichten Wellenbewegungen besser
folgen kann und das Gehirn dies
nicht als sehr störend
empfindet, allerdings ist es
besser auch solche Störungen
schon bei der Aufnahme möglichst
zu vermeiden.
Die
Videokamera-Hersteller wirken mit
unterschiedlichen Methoden dem
Handzittern entgegen:
OIS
= optisch wirkende
Stabilisierungssysteme
EIS = elektronisch wirkende
Stabilisierungssysteme
In
der Regel gilt OIS als das
bessere Bildberuhigungssystem,
das EIS läßt sich leichter täuschen
...
Wie leicht eine Kamera mit EIS
aus dem Tritt kommt, sieht man hier...
Es
gibt aber auch teure Kameras mit OIS,
wie z.B. JVC GZ-HD7, dort ist
das Stabilisierungssystem zum größten
Teil völlig wirkungslos wie ein
Eigner im Videotreffpunkt
berichtete. Etwa 75% seiner
Aufnahmen sind verzittert und er
muss diese stundenlang mit einem
Deshaker behandeln!
Was
man mit dem EIS des
HDR-HC3-Camcorders bis
3-fach Zoom machen kann, habe
ich hier
im Video gezeigt. Der
Videofilmer wird damit
Zitterbewegungen im gewissen
Rahmen ganz gut ausgleichen können,
wenn er eine solide
Aufnahmeposition einnimmt und
nicht mit ausgestreckter Hand
aufnimmt..
In
diesem Beitrag hier geht es aber
um
mechanische
Stabilisierungssysteme, die
Bewegungen vom
HDV-Camcorder entkoppeln und möglichst
gute Schwenks und Tele- sowie
Schwebeaufnahmen erlauben.
Ich
habe lange Zeit mit mechanischen mobilen Körperstativen experimentiert um
optimale Qualität mit geringem
mechanischen Aufwand für
leichte Consumer HD-Camcorder
herauszuholen und ich habe das Problem für mich persönlich
nun recht gut gelöst ohne noch einmal soviel auszugeben, wie schon
die Kamera selbst gekostet hat. Nicht jeder kann sich ein Merlin
Steadicam für 800 Euro leisten um ziterfreie Bewegungsaufnahmen zu
produzieren. Das Original wird mit Steadi, Nachbauten mit Steady bezeichnet.
Alles
muss klein und sehr kompakt
sein!
Für
unsere Wohnmobiltouren benötige
ich kleine, kompakte und
wirklich wirkungsvolle
mechanisch Hilfsmittel für zitterarme und
beruhigte Kameraaufnahmen und
keine antiken sperrigen Dreibein-Stative,
Schienenführungen oder Krane. Als Tourist
mit Videokamera sollte man
unauffällig agieren können und
auch nicht andere Leute im
Umfeld behindern. Diese Ziele
leiteten mich bei der
Entwicklung folgender
Hilfsmittel, die ich mit einem
Minimum an finanziellen Aufwand
realisiert habe. Bei meinen
Bastelarbeiten habe ich
festgestellt, dass es gerade für
kleine Kameras wie für Sonys
HDR-HC3 mit 650 Gramm
Eigengewicht, nicht so leicht
ist wirklich gut funktionierende Körper-
oder Schwebestative zu
konstruieren. Einige
Konstruktionen habe ich
verworfen und das hier präsentierte
versuche ich weiter zu
verbessern. Mit den folgenden
Stativen bin ich jedenfalls
schon sehr weit in der
Entwicklung gekommen, für
Verbesserungen ist aber immer noch Raum vorhanden.
1.
BPH-MiniStabi - Körperstativ Nr.1:
Etwas ganz kleines und zartes ist das abgebildete
BPH-MiniStabi
- fast ein Schwebesystem - welches ich aus einem alten
BRAUN
Schulterstativ
ST 3 für Super8-Filmkameras hergestellt habe. Im Grunde war es lediglich notwendig
eine 16cm lange Quertraverse
aus 10mm Alu-Rundstab an das Kunststoffgehäuse anzuschrauben -
eine Fummelarbeit um zwei M4-Schrauben mit angepassten
Schraubenköpfen von innen aus durch das Gehäuse zu stehen -
und einen Umhängeriemen daran zu befestigen. Legt man den
Umhängeriemen um den Nacken, zieht den Teleskopstab raus und
stützt die Brustauflage gegen die Brust,
dann bekommt man eine prima Stabilisierung bei den Aufnahmen. Den
Camcorder kann man ruhig losslassen, er stabilisiert sich von selbst
durch die 3-Punkt Aufhängung.
Handzittern wird
mit diesem
Stativ völlig
vom Camcorder
entkoppelt.
Nicht immer kann man überall mit einem Schwebestativ oder einem
anderen hier vorgestellten Stativ gehen, weil das viel zu
auffällig ist. In diesem Fall bewährt sich das kleine und
unauffällige BPH-MiniStabi ganz hervorragend. Es ersetzt ein
Schulter- und Körperstativ gleichzeitig.
Der
symetrisch angeordnete Umhängeriemen
stabilisiert nicht nur die
Position des HDV-Camcorders, er
dient wegen seiner Elastizität
zusammen mit den Körperstützpunkten
auch als Schock-Absorber
gegen Stöße und bei Bewegungen.
Dieses Stativ hängt mit dem
Camcorder völlig symetrisch am Körper
und nicht einseitig an einer
Schulter, es droht damit niemals vom
Körper abzurutschen.
Unter
dem Kameranschlußgehäuse des Körperstativs
befindet sich ein Kugelgelenk mit Feststelleinrichtung. Löst
man die Feststelleinrichtung, dann
kann man selbst vertikale
Schwenks im Bereich von +/- 15°
machen. Vor solchen vertikalen
Schwenks stelle ich die Körperstütze
entsprechend ein (höher oder tiefer
am Körper). Horizontale Schwenks
im Winkel von etwa +/- 30°
mache ich vorwiegend aus der Hüfte
heraus, wobei vorher eine sichere
Standposition einzunehmen ist.
Die
Telewirkung nutze ich mit diesem Körperstativ
bis zu 5-6fach problemlos aus, auch
für Zoomfahrten.
Winzig
für den Transport (mit Camcorder
nur 21cm lang !) und
unschlagbar stabil als Körperstativ,
das BPH-MiniStabi
Eine Variante mit dem Cullmann Travelpod 3090
Auf die Quertraverse
kann man z.B. beide Hände auflegen
um mehr Gewichtsbelastung zu
erzeugen. Handzittern wird dadurch
nicht erzeugt, weil man den
Camcorder nicht in Schwebestellung
mit den Händen tragen
muss
und
die Muskelspannung somit nicht auf den
Camcorder übertragen wird.
Die
16cm lange Quertraverse am
Massenpunkt sorgt zusammen mit dem
gespreizten Zugstab (Nackenriemen) ferner
dafür, dass dieses BPH-MiniStabi
zusätzlich noch sehr gut
seitenstabil ist, etwa für Schwenks
aus der Hüfte heraus oder bei
Seitenwind.
Dieses
BPH-MiniStabi ist auch ganz vorzüglich für praktisch alle
Aufnahmesituationen geeignet, weil man es wegen der geringen
Abmessungen einfach umgehängt zusammen mit der Videokamera, man
ist also immer einsatzbereit. Aus meiner Erfahrung heraus gibt es kaum
eine bessere kompakte Lösung als diese hier, vor allem mit einer
sehr guten Wirkung.
Wer
hätte das gedacht, bis 5fach Zoom
kommt man gut mit dem BPH-MiniStabi
sowie zugeschalteten EIS hin, bei
10fach Zoom plus Bildberuhigung(Deshaker) per
NLE kann man ebenfalls noch etwas herausholen!
BPH-MiniStabi - Körperstativ Nr.2
Eine
noch vielseitigere Variante habe ich
mir zusammengestellt, nach dem ich meine
zweite HDV-Kamera die Canon HV30
bekommen habe.
Als
Schiene zwischen Kamera und dem Griff einer alten Bohrmaschiene habe
ich eine schon vorhandenen Schiene einer alten S8-Lampenleuchte
verwendet.
Das
Grundmodul als SteadyGriff mit Nackenriemen.
Damit kommt man schon in den meisten
Fällen hin um zitterarme Aufnahmen machen zu können. Man baut
lediglich etwas Spannung zwischen
der Kamerasteuerung und dem Nackenriemen
auf. Mit der rechten Hand bedient man den Zoom-Hebel und den
Aufnahmeschalter.
Unter
die Führungsschiene kann man noch ein kleines Tischstativ
anschrauben, welches auch als zweiter Griff unter der Kamera einsetzbar
ist.
Diese
Kamerasteuerung ist auf Reisen
sehr vielseitig einsetzbar, sie stabilisiert sehr gut und
die einzelnen Teile können alle zusammen in
der Kamertasche komplett
verstaut werden.
Wer
noch eine "Dritte
Dimension" in seine Aufnahmen
reinbringen möchte,
die Vor-Rück- Seitwärtsbewegung oder gar Rundumbewegung
um ein Objekt mit der
Kamera, also eine Fahr-Schwebebewegung, der
benötigt zur Unterstützung ein
Schwebesystem-Stativ für seine
Kamera.
Nachfolgend stelle ich zwei
Bastelergebnisse von mir vor, wobei
das BPH-MiniSteady einfach herzustellen ist und es
erfüllt voll den Bestimmungszweck
und zudem ist es sehr mobil. Man benötigt
eine Kamera mit schnell
reagierenden Autofocus und zusätzlich einen
Weitwinkelvorsatz.
2.
BPH-MiniSteady
in Ausleger-Ausführung:
Wer
hier schon öfters mitgelesen hat, der weiß, dass ich mehrere
Varianten eines BPH-MiniSteady erprobt habe mit unterschiedlichen
Gimbal-Typen (bisher 1-4 nach unterer Tabelle). Nach der
Erprobungszeit habe ich mich an mein finales BPH-MiniSteady im
Januar 2010 herangewagt. Ich wußte ja jetzt sehr genau worauf
es ankommt. Die Bauteile dazu habe ich schon längst besorgt
und in zwei Tagen
war folgendes BPH-MiniSteady einsatzbereit.
Eigenschaften
verschiedener Gimbal-Konstruktionen
für Handheld-Schwebestative:
Gimbal-Typ
Eigenschaften
1
Cullmann
Kugelgelenk 2709
Zu schwergängig für ein
Schwebestativ wenn eine
Belastung draufgesetzt wird.
Haftreibung überträgt
Ruckler auf das Video, es muß geölt werden.
2
Selbstgebautes dreiachsiges
Kardangelenk oder Kreuzgelenk
Gut
geeignet für leichte Kameras. Ohne
Drehbank für den Hobbybasttler nicht mit nötiger
Präzision herstellbar. Es muß nicht geölt werden.
3
Dorn-Gimbal
Das
leichtgängigste Gelenk überhaupt,
absolut weiche Bewegungsübertragung
auf das Video. Diese Lagerung
ist aber sehr windempfindlich.
4
Kugelneiger
des Hama Mini-Stativs
Brauchbarere
Lagerung als unter 1, es ist leichtgängiger als
das Cullmann Kugelgelenk
2709, nicht ohne Ruckelbewegungen. Es muß geölt werden.
5
TRAXXAS
Antriebswelle - 1951
Dieses Kardangelenk arbeitet sehr weich von Haus aus, es muß im
Gebrauch nicht gölt werden wie andere kommerziell vertriebene
Schwebestative für leichtere Kameras.
Die Entscheidung ist also gefallen, ich verwende für die Gimbal-Konstruktion meines BPH-MiniSteady die TRAXXAS-Antriebswelle - 1951. Als Alternative wäre noch das stabilere TRAXXAS Halbkardans - 5151 in Frage gekommen.
Das TRAXXAS 1951er gab es für ca. 15 Euro (zwei Stück!) hier.
Die Lagerungskombination
verchromter und polierten Stahlzapfen in Kunststoffgabeln ist besonders
gut für den Gimbal-Selbstbau in Schwebesystemen geeignet.
Dieses
selbstgebaute "Mini-Gimbal" hält die Kamera weich und sanft in Aufnahmeposition ohne im Videobild sichtbarer Haftreibungs-Ruckler. Die
Leichtgängigkeit des
Kardan-Gelenkes ermöglicht auch eine
fließende Kameraführung in
Kurven ohne zuckender
Haftreibungsstellen durch Bewegungen
im Gelenk.
Kugelköpfe sind dieser
kardanischen Lagerung total unterlegen.
Um das
verchromte Kreuzgelenk in die TRAXXAS-Kunsstoffgabeln montieren zu
können benutzte ich einen Fön. Nach Erwärmung der
Kunststoffgabel mit dem Fön konnte man die Lagerungsaugen etwas auseinander biegen
und
die Zapfen in die vorgesehenen Bohrungen einbringen. Anschliessend muss
man die Kunststoffgabeln noch einmal anwärmen und diese soweit
zusammendrücken, dass nur noch ganz wenig Spiel zwischen den Gabeln verbleibt und
der
Griff später nicht hin-und-her rutscht was sofort zur
Kamera-Schiefstellung führen könnte. Schon 0,5mm Spiel
zwischen der Kardankugel und den Kunststoffgabeln können sich kritisch auf die
Kameralage auswirken.
Im Griff (eine nicht mehr verwendete LED-Taschenlampengehäuse aus Alu) habe ich in die vertikale Achse ein Rillenkugellager
eingesetzt um ruckelnde/zuckende Handdrehbewegungen am Griff von
der Kamera zu entkoppeln. Das Rillenkugellager sitzt in dem
Messing-Gehäuse des oberen Bildes zur Anpassung an die
Öffnung in im Taschenlampngehäuse.
Für
den Ausleger habe ich die Somikon Winkel-Blitzschiene
von Pearl für ca. 28 Euro eingekauft dessen Seitenarme sich so
wunderbar in verschiedene Positionen einrasten lassen und sich
auch klein zusammenlegen lassen für den Transport in einer
gesonderten Tasche.
Auf den Ausleger habe ich das Querverschiebeteil meines schon
früher gebastelten Kreuzschlittens montiert und darauf dann noch
die Cullmann- Kameraanschlussplatte
draufgeschraubt. Der
Schwerpunkt quer zu meiner Kamera liegt nicht dort wo das
Anschlussgewinde an der Kamera ist, sondern 10mm daneben. Mit der
Gewindestell- spindel im Querschlitten kann man die Kamera sehr
feinfühlig quer
trimmen und festsetzen. Schon eine halbe Umdrehung der Gewindespindel
kann die Kamera zur Schiefstellung in Querrichtung veranlassen. Man
braucht also hier eine sehr genau wirksame Trimmmöglichkeit
für die Kamera. und dafür ist die Gewindestellspindel im Querschlitten ideal geeignet.
In der Kameraachse erfolgt die Trimmung per Verschiebung im vorhandenen Langloch der Winkel- Blitzschiene.
Das reicht
aus, hier muss das nicht so genaus sein, weil die Feintrimmung dann
später noch mit dem verstellbaren Trimmgewicht am Fußpunkt
der Blitzschiene sehr
feinfühlig erfolgen kann. Am unteren Auslegerarm habe ich noch
zusätzlich die schon am BPH-MiniStabi Nr.2 verwendete Schiene
eingesetzt um die Lage des Trimmgeichtes besser bei der
Trägheitsmassentrimmung anpassen zu können.
Von Mitte Gimbal bis Unterkante
Kamera sind es genau 7,4cm geworden
bei meiner Konstruktion.
Hier kann
man sicher noch etwas mehr durch eine niedriger bauende Konstruktion herausholen.
Am
Fußpunkt des unteren Armes der Winkel- Blitzschiene habe ich
eine M8-Gewindestange als Ausleger für die
Trimmgewichtaufnahme ange- bracht. Das auf der Gewindespindel
verschiebbare Trimmgewicht hat die Funktion einer Laufmasse
wie bei
einer echten Waage, auch wenn es schräg angeordnet ist
(natürlich könnte man die Laufmase auf einer abgebogenen
Schiene auch horizontal anordnen). Mit der
Schräganordung hat man aber auch die Möglichkeit die
Laufmasse
näher oder entfernter an den Griffgelenkpunkt zu bringen, wenn
auch nicht besonders viel.
Das Trimmgewicht darf nicht zu schwer gewählt werden, weil bei zu
großer Masse unten während des Anlaufs diese
Trägheitsmasse sich nicht identisch mit den anderen Massen bewegt
und die Kamera sich dann neigt. Man kann das ungefähre
optimale Gewicht nach dem Hebelgesetz
rechnerisch abschätzen. Oberhalb des Handgriffes habe ich die
rotgerippte Hülse über dem Oberteil des Gelenkes angebracht um durch kurze
Korrektur mit dem Finger einer Hand dem Schwebesystem die
Aufnahmerichtung vorzugeben. Das rote Teil ist eine Abdeckkappe eines
Thermostaten den ich neulich bei OBI für einen Heizkörpere
kaufen mußte. Ich hebe sowas immer in meiner Materialsammlung auf, man könnte es ja einmal brauchen...
Unterhalb
des Trimmgemichtes am Fußpunkt ist noch eine kleine Alu-Quertraverse
von mir angebracht worden, sie kann quer gestellt werden. Wenn ich den unteren Arm der
Winkelblitzschiene horizontal stelle, dann kann ich das Schwebesystem
mit Kamera einfach z.B. auf den Tisch stellen und das System als
Tischstativ verwenden. Die Kamera steht dabei sehr stabil.
In
den Griff habe ich unten ein 14mm Loch gebohrt um das System auf
einen selbst gebastelten Trimm-Stützstand,
der am Tisch oder auf einem Dreibeinstativ montiert ist, abzustellen und dort die
statische und dynamische Trimmung damit durchführen zu
können, was man in der Regel nur einmal machen muss. Unterwegs
kann man aber das System auch auf eine Tischkante mit dem Griff
stellen, jedoch muß man hierbei schon sehr gut aufpassen, dass
man das System nicht versehentlich umwirft. Ich habe
nach der Trimmung entsprechende Markierungen angebracht um nach
Zusammenbau schnell die korrekten Montagepositionen parat zu haben. Am
Aufnahmeort
muss ich
höchstens noch kleine Korrekturen am Querschlitten oder am
verstellbaren Trimmgewicht am Fußpunkt durchführen.
Um
evtl. Anfragen vorzubeugen:
Nein, es
gibt keine Konstruktionszeichnungen
für dieses Schwebestativ von
mir!
Zum
statischen Trimmen
der Kameralage klappe ich zuerst den Kontroll-Monitor aus. Die
statische Trimmung kann man frei aus der Hand heraus machen oder das
Gerät mit dem Griff auf den Tisch stellen. Nun kann man das
Trimmgewicht unten auf dem Ausleger so verstellen, dass die Kamera
waagerecht/lotrecht steht.
Sehr wichtig ist nun die dynamische Trimmlage,
d.h. schnelle ruckartige Bewegungen
nach links/rechts oder vor/zurück dürfen
das Schwebsystem nicht aus
der lotrechten Lage bringen und das System darf nicht zu pendeln anfangen. Wenn
man also dieses Schwebestativ im
Kardan-Gelenkpunkt beschleunigt oder verzögert,
dann bewegen sich alle Massen mit
identischer Geschwindigkeit, d. h.
die Aufnahmen können ohne
Nickbewegungen der Kamera erfolgen,
was ja der eigentliche Sinn eines
Schwebestativs sein soll.
Voraussetzung
ist, das sich der Gesamtschwerpunkt
kurz unterhalb des Griff-Gimbals
befindet, sonst würde das System
zur Seite kippen.
Über
die Aufrichtzeiten des ausgelenkten Schwebesystems beim Drop-Test wird
im Internet heiß diskutiert. Ich vertrete die Ansicht nach vielen
Versuchen, dass die Verteilung der Trägheitsmassen so sein muss,
dass bei einer Anregung des Schwebesystemes über den Griff es
nicht zu einer Auslenkung der Kamera kommt. Durch Versuche findet man
sehr schnell heraus, wie weit vom Griffanlenkpunkt das untere Trimmgewicht
angeordnen
sein darf damit es zu der gewünschten Schwebewirkung kommt. Kommt
es zu einer Kippneigung der Kamera, dann hat man es bei einem
Schwebesystem verloren. Nichts stört mehr als ein schwankender
Horizont oder eine nickende auf-und-ab Bewegung. Ich selbst mache
eher
ruhige Schwebeaufnahmen mit mäßiger Kamerageschwindigkeit in
Kloster-Kreuzgängen, Kirchen, Gebäuden, Märkten,
Fußgängerzonen oder in der Natur.
Die
Zusammenhänge der statischen und
dynamischen Gleichgewichtslage sind
in dieser Broschüre
gut beschrieben worden. Als
erfahrener Ingenieur habe ich mich
früher viel mit Statik, Dynamik und
Kinetik beschäftigt. Habe den Ausführungen
in der Broschüre nichts hinzuzufügen,
dort wird das Problem sehr umfassend
behandelt.
Bei der Aufnahme muss man
nun noch die Aufnahme-Richtung gut
halten
- per Zweihandführung und evtl. Korrektur an der roten Hülse
oberhalb des Griffes mit Fingern (nur leichte Berührung!) der linken Hand gelingt das ganz gut - "schleichenden
Katzenpfoten-Gang" sollte man sich zur Fortbewegung angewöhnen.
Noch
etwas kann man mit diesem
BPH-Mini-Schwebesystem ganz einfach
realisieren und zwar Neigeaufnahmen
mit schräg nach unten oder schräg
nach oben gerichteten Objektiv.
Dazu
muss man lediglich das Trimmgewicht auf der Gewinde-Führung nach
vorne oder nach hinten verstellen. Zusätzlich kann man
natürlich noch die Griffstellung oben korrigieren.
Dieses
BPH-MiniSteady (Gewicht mit
Kamera = 1,9 kg)
lässt sich superleicht irgendwo im Gelände feintrimmen,
einfach nach Augenmaß, das genügt vollkommen. Das
Gesamtsystem ist noch nicht zu schwer, man benötigt zur
Gewichtsentlastung keine lächerliche Terminator-Stützweste am Körper. Genau dieses Ziel wollte ich
mit dieser Konstruktion realisieren. Das BPH-MiniSteady erfüllt vollständig den erwünschten
Zweck, es ist kompakt, mobil und sehr funktional!
Effektvolle
Schwebeaufnahmen
Mit einem
Schwebesystem kann man sehr effektvolle
Aufnahmen bei entsprechender Kameraführung
realisieren, z.B.:
in
Vorwärts-Rückwärtsbewegung aufnehmen
um
ein Objekt herum mit dem
Schwebesystem gehen
mit
um 90 Grad abgewinkelter Kamera
in Vorwärtsbewegung aufnehmen
Während
kameraeigene Bildstabilisatoren eher hochfrequente Erschütterungen
dämpfen (Handzittern), unterdrücken an der Kamera montierte
externe Schwebesysteme niederfrequente Erschütterungen, z.B.
Schritte. Schwere Schwebesysteme mit hohen Eigenmassen dämpfen
auch hochfrequente Erschütterungen sehr gut durch die hohe
Massenträgheit ab, leichte Schwebesysteme für Kameras unter
700 Gramm Eigengewicht dagegen weniger gut. Nach meiner eigenen
Erfahrung ist es sinnvoll das EIS meiner Sony HDR-HC3 abzuschalten wenn
man mit einem der oben gezeigten Schwebesysteme arbeitet, da die
Beruhigung jeweils auf der Grundlage eines Referenzframes erfolgt und
sobald der für die Beruhigung reservierte Pixelbereich auf dem
Chip während des Schwebens verlassen wird, ein neues Referenzbild
genommen wird, was sich dann im Bild als Ruckler äußert.
Besser verhalten sich da optische Kamerastabilisatoren (OIS der HV30).
Bei der Canon HV30 schalte ich OIS immer dazu, der Stabilisator
entfaltet ja hier eine ganz andere Wirkung als bei der Sony HC3. Jeder
sollte für
sich einfach mal ein paar Testaufnahmen machen um eigene
verlässliche Erkenntnisse zu gewinnen.
Weitwinkelvorsatz
Unbedingt
sollte man einen Weitwinkelvorsatz
verwenden. Dieser bringt durch den
weiteren Aufnahmewinkel mehr Ruhe in
die Aufnahme als das Normalobjektiv
in Weitwinkelposition. Mit dem
Weitwinkelvorsatz erreicht man
eine bessere Raumtiefenwirkung während
des Schwebens. Natürlich muss die
Masse des Weitwinkelvorsatzes bei
der Trimmung mit berücksichtigt
werden.
Größtes
Problem aller Schwebesysteme:
Schwankender Horizont
In der
Vorwärtsbewegung gibt es kaum Probleme, d.h. kein auf-und-ab der
Aufnahme. Anders sieht es mit dem schwankenden Horizont aus, hier kann
das Bild trotz aller Mühe ganz schön links/rechts schwanken
wenn um die Vertikalachse kein Rillenkugellager im Gimbal vorhanden
ist. Bei meinem obigen TRAXXAS-Gimbal habe ich ein Rillenkugellager in
die Griffagerung eingebaut und das Problem mit dem schwankenden
Horizont taucht hier deshakb nicht mehr auf.
Ein leichtgängiges kardanisches Gimbalsystem
wie bei meinem
BPH-MiniSteady ist trotz der
kleinen Windangriffsfläche des Gesamtsystems
empfindlich auf Windeinfluss, vor
allem um die vertikale Griff-Achse. Die
Kamera kann sich leicht wegdrehen
aus der eigentlichen
Aufnahmerichtung wenn der Wind ungünstig
das Schwebesystem trifft. Man kann
aber der Wind-Rotation entgegenwirken
in dem man mit dem Finger der
zweiten Hand z.B. die rote Hülse oberhalb der Gimbal-Aufhängung
unter der Kamera leicht abbremst.
Zwar wird dadurch die Körperentkopplung
ein wenig gestört, man unterbindet
damit aber das Wegdrehen der Kamera.
Besser ist es natürlich in
windgeschützten Bereichen
Schwebeaufnahmen zu machen.
Focusierung
bei Schwebeaufnahmen
Die
Sucher und Monitore der
HD-Consumer-Kameras bieten keine
wirkliche Kontrolle der Bildschärfe,
da kein HD-Bild vorhanden ist und
die Auflösung nicht einmal einem
DV-Video entspricht. Ich kann mich
aber bei meiner HDV-Kamera sehr gut
auf den schnell reagierenden und
nicht pumpenden Autofocus verlassen.
Belichtung
bei Schwebeaufnahmen
Man
kann dies der Automatik überlassen
oder auch eine manuelle Einstellung
vornehmen wenn man bestimmte Effekte
beim Übergang von hell auf dunkel
ausgeleuchtete Objekte erzielen möchte
In 50i oder 25p mit dem Schwebestativ aufnehmen?
Aufnahmen mit
einem Schwebestativ sind immer Bewegungsaufnahmen, oft etwas schneller
als bei einem Schwenk vom Dreibeinstativ. Am besten sehen Aufnahmen in
50i aus, weil die Bewegungsschärfe der Interlaced-Aufnahme bei Consumer-Videokameras
besser ist als bei Progressivaufnahmen in 25p!
Übungen
für gute Schwebestativführung
Kein
Meister ist vom Himmel gefallen. Hat
man aber das Schwebesystem optimal
justiert, dann sollten einige Grundübungen
folgen:
Wir
schalten zuerst per Kameramenü
das das Monitor-Hilfsraster ein,
damit wir das aufzunehmende
Objekt besser ins
"Visier" nehmen können.
Wir
versuchen auf einer gedachten
Linie vor- und zurück zu gehen
und dabei mit der Kamera eine
Aufnahme zu machen.
Wir
bringen auf Augenhöhe irgendwo
ein Zielpunkt an (Aufkleber) und
versuchen diesen im Hilfsraster
des Monitors aus einer
Entfernung von etwa 10m zu orten
und möglichst bis zum Ende der
Aufnahme die Koordinaten bei der
Aufnahme zu halten.
Wie
gut wir unser Schwebesystem nun
beherrschen, sehen wir dann am
Ergebnis der
Videowiedergabe.
Mittlerweile
gibt es eine ganze Reihe von
Mini-Schwebestativen für leichte
Kameras:
Haque
MMC (funktioniert ganz gut,
Fummelei beim Trimmen)
Nautilus,
ebenfalls für kleine und leichte
Kameras (HP
dazu)...
Ich
bin schon vor dem Bau meines BPH-MiniSteady auf die Idee
gekommen aus meinem Einbeinstativ ein
größeres BPH-Schwebestativ
zu basteln, wobei
ich die volle Funktionstüchtigkeit
des
Einbeinstativs selbstverständlich
behalten wollte. Wenn ich schon das
Einbeinstativ auf Tour mitnehme,
dann sollte es möglich sein nach
kleiner Umrüstung (lediglich den Fußpunkt
tauschen) sanfte Schwebeaufnahmen
damit zu
machen.
Meine
nachfolgende
Bastelarbeit ist auf die klassische
Ur-Steadicam von Garret
Brown und viele später
zahlreich erschienen Konstruktionen zurückzuführen.
Schließlich sollte aus der Mühe ein
Erfolg werden.
Ich verwendete/erstellte
folgende Bauteile:
Einbeinstativ
(vorhanden)
SKF-Rillenkugellager
6007 mit 35mm Innendurchmesser
(9,60 €uro) für das
Gimbal
Hartgummitransportrad
80 mm als Außengehäuse für
das Rillenkugellager (3,60
€uro)
Messing-Hohlwelle
mit Fixiernabe aus vorh.
Restmaterial
Zwei
Messingzapfen für die Aufnahme
des Alu-Bügels aus vorh.
Restmaterial
Alu-Bügel
aus vorh. Restmaterial
Zwei
Messingteile für die
Griffbefestigung aus vorh.
Restmaterial
Zwei
kleine Rillenkugellager einer
ausgedienten Bohrmaschine für
die Handgrifflagerung, eines
hatte einen Innendurchmesser von
8mm, das andere mit 6mm...
Zwei
SKF-607 Rillenkugellager
für die Gabellagerung ( 6,71 €ur0)
Kunststoffgriff
einer ausgedienten Bohrmaschine
Eine
Alu-Traverse für die
Trimmgewichte aus Restmaterial
Messing
Trimmgewichte aus vorh.
Restmaterial
Verschiedene
Schrauben, Muttern und
Beilagscheiben
Als
wichtigstes Werkzeug benutzte ich meine
Drehbank
INTERKRENN PROFILINE IKD400 und eine
Ständerbohrmaschine um die Bauteile
möglichst paßgenau herzustellen. Die
Lagerbohrungen im Alu-Bügel bohrt
man am besten mit dem Stufenbohrer.
Alle
Dreh-Achsen (X,Y und Z) sind
kugelgelagert. Ohne kugelgelagerter
Gelenke (also einer sehr geringen
Reibung) sollte man sich keine
Hoffnungen machen auf ein sehr gut
funktionierendes
Schwebestativ. Es ist ferner sehr
wichtig, dass man bei der
Teileherstellung mit hoher Präzision
arbeitet
und die Geometrie des Kardangelenks
stimmt (die Drehachsen müssen
fluchten!), sonst taumelt später die
Kamera und man erzielt sonst nie
Aufrichtzeiten im Bereich von 2-3
sec aus der waagerechten Position
des Sleds heraus.
Die
einzelnen Bauteile waren in meiner
eigenen Hobby-Metallwerkstatt
bald fertig,
anschließend beschäftigte
ich mich mit dem Zusammenbau und dem
Trimmen des BPH-Schwebestativs.
Der
komplette Aufbau im nebenstehenden Bild wiegt etwa
2,25
kg. Man kann damit schon einige
Minuten Schwebeaufnahmen mit
abgewinkelten Arm machen.
Im Prinzip wäre es möglich
dieses BPH-Schwebestativ auf eine
Stabilisierungsweste mit Federarm aufzusetzen um
den Führungsarm vom Gewicht zu entlasten,
dann würde ich aber sehr lächerlich
aussehen. Das möchte ich aber
meiner mich immer begleitenden
bessern Hälfte auf unseren Touren
nicht zumuten.
Auf
die Quertraverse am Fußpunkt die zur
Objektivachse ausgerichtet ist, habe
ich zunächst Trimmgewichte so
gelegt, dass beim Anheben vom Tisch
der Teleskopstab (Sled-Stange) immer lotrecht
geblieben ist. In dieser Quertravese
habe ich als Ausrichthilfe für die
Trimmgewichte zwei Langlöcher in
der Längsachse angefertigt. Am Kameraanschluss
ist zunächst eine U-Halterung eingebaut (siehe hier)
worden um die Kamera im eigentlichen
Schwerpunkt daran befestigen zu können.
Das
erleichterte die Trimmung mit den
Gewichten am Stativfuß erheblich. Zusätzlich habe ich
noch über der Trimmgewichttraverse
unten einen Alubügel geklemmt,
damit man das BPH-Schwebestativ
sicher auf
den Boden abstellen und in dieser
Position noch wie von einem
feststehenden Stativ aus videofilmen kann.
Nun habe ich das
BPH-Schwebestativ in die
Horizontallage gebracht um den
Fixierpunkt für das kardanisches
Gelenk (Gimbal) zu finden.
Ich habe die
Fixierung etwas über den
Gleichgewichtspunkt in Richtung der
Kamera festgelegt, so dass nach dem
Loslassen das Schwebestativ sich in
etwa 2-3 Sekunden (Fall-Zeit) lotrecht
aufgerichtet hat. Es zählt nur die
Fall-Zeit von waagerecht nach
senkrecht, nicht das drüber
schwingen
aus der senkrechten Position
heraus.
Hebt man das
Stativ vom Tisch an, muss die Säule
lotrecht stehen bleiben. Man trimmt
das mit den verschiebbaren Gewichten/Gewichtspositionen
aus. Selbst der ausklappbare Monitor
zeigt schon eine Wirkung. Während
des Trimmens muss deshalb der
Monitor ausgeklappt sein, so wie später
bei der Aufnahme. Ferner soll
die statische Trimmung so sein, dass
sich der Sled in keiner Drehposition
um die Hochachse schief stellt. Um
das zu überprüfen nimmt man ein
stabiles Dreibeinstativ als Balance-Teststand
und baut sich dazu eine
Halterung um das Schwebestativ mit
dem Griff dort aufzustecken.
Den
später gebauten Kreuzschlitten
nach Punkt 2. habe ich mittlerweile
an dieses Sled-Schwebestativ
angebaut. Die Justage der Kamera
erfolgt über Mikrometerschrauben
vor und zurück. Sowie nach rechts
und nach links. Das hat den Vorteil, dass
ich nun viel schneller und genauer
und müheloser den Kameraschwerpunkt
justieren kann. Oft ist es nur
eine halbe Umdrehung an der
Mikrometerschraube und das Stativ
neigt sich auf irgendeine
Seite. Für die
einjustierte Lage habe ich
Klebemarkierungen angebracht.
Unterhalb des Kreuzschlittens kann
man noch zusätzlich die Kameramasse
erhöhen. Je höher die Massen, um
so größer das Trägheitsmassenmoment
und um so beruhigter wird die
Kameraführung.
Wichtig
ist auch die ausziehbare Sled-Stange,
so ist es viel leichter eine
Einstellung zu finden um in Augenhöhe
oder auch tiefer zu filmen.
Kommen wir nun zu wichtigsten Teil,
der dynamischen Trimmlage. Wenn man
das
BPH-Schwebestativ am Griff seitlich
schnell hin und her sowie vor und zurückbewegt, dann muss der Stab in der
Lotrechten bleiben. Gegebenenfalls müssen
die Massen am Fußpunkt vergrößert
oder verkleinert werden. Ferner kann
es sein, das man den Abstand der
Massen vom Gimbal-Drehpunkt verändern
muss,
z.B. durch Auszug des Sleds und/oder
den Gimbal-Drehpunkt verlegt.
Der
Teleskopstab darf auf keinen Fall mit der
Kamera taumeln, es muss eine
Position gefunden werden bei der die
Unterseite des Stabes nicht pendelt
und andererseits die Kamera oberhalb
des Kardangelenkes nicht kippt!
Das ist genau der
Trick für
eine gute dynamische Trimmlage
um ruhige Schwebeaufnahmen im Gehen oder
beim Treppensteigen z.B. machen zu können.
Wer diese Grundregel bei einem
Schwebestativ nicht beachtet, der
wird keinen Erfolg haben!
Verschiebt
man die Trimmgewichte am Stativfuß,
dann kann man z.B. auch mit einer
nach unten oder nach oben geneigten
Kamera Aufnahmen aus anderer
Perspektive machen, nicht immer also
nur Horizontalaufnahmen!
Um
Aufnahmen mit dem Schwebestativ
einzuüben habe ich einen Laser-Pointer
auf die Konsole des Kreuzschlittens
befestigt. Geht man mit de Stativ
auf eine Wand zu, sieht man sehr
genau bei welcher Gangart der
Lichtpunkt an der Wand weniger
hin-und-her wandert. Entsprechend
kann man seine Gangart korrigieren. Der
Laser-Pointer mit seinem Lichtpunkt
ist der beste Lehrer!
Mit
einem Finger am Messingring oberhalb des
Kardangelenkes kann ich während der
Aufnahme die Kamerarichtung beeinflussen.
Das geht weil die
Rillenkugellagerung ganz leicht läuft.
Allerdings ist bei dem
BPH-Schwebestativ der Griff nicht im
Schwerpunkt des Systems, was zu
einer ganz schönen Armbelastung
(Tennisarm!) führen kann. Für
Abhilfe sorgt hier die von mir zusätzlich
gebastelte abgewinkelte Unterarmstütze
(sh. Bild oben),
auf deren Dorn man den Griff des
BPH-Schwebestativs aufstecken kann.
Das Handgelenk wird jetzt sehr gut
entlastet, man spürt das ganz
deutlich und man kann damit jetzt
auch längere Zeit Schwebeaufnahmen
machen. Bei der Aufnahme muss man
nun noch die Richtung gut halten und
sich
auf "schleichenden
Katzenpfoten" fortbewegen.
Hier
zeige ich ein paar Bilder vom Aufbau
des Herzstücks (Gelenk = Gimbal)...
Nachfolgend
vier Clips die mit dem
BPH-Schwebestativ in
Weitwinkelstellung (je weitwinkliger
um so beruhigter die Aufnahme!) des Camcorders
Sony HDR-HC3 in meiner
Experimentierzeit aufgenommen worden
sind:
Die
Schwebeaufnahme ist eine echte
Bereicherung der
Kamera-Aufnahmetechnik!
Wie
rasant man eine Schwebeaufnahme
macht, hängt davon ab, wie schnell
der Autofocus Objekte erfasst, ist
er zu lahm gibt es Wischbilder.
Gerade unter den HD-Kameras sind
lahme Krücken bezüglich Autofocus
nicht selten anzutreffen. Der
Autofocus des Sony HDR-HC3 verhält
sich hier eher recht vorbildlich, natürlich
kann man auch den manuellen Focus
auf einen bestimmten Wert fixieren.
Nach
dem Selbstbau des obigen BPH-MiniSteady habe ich das hier beschriebene
BPH-Schwebestativ in Sledausführung nicht mehr benutzt. Schnell
habe ich die hervorragende Mobilität und die
Funktionalität des BPH-MiniSteady schätzen gelernt. Wenn schon Schwebeaufnahmen, dann ausschliesslich nur noch mit dem BPH-MiniSteydy!
Handheld-Schwebesysteme
- wie ich sie oben auch für meine
sehr leichte Kamera realisiert habe - ermöglichen zwar
zitter- und wackelfreie Aufnahmen,
jedoch können sie rein physikalisch(Reibung)
nicht Hand-/Körperbewegungen links/rechts(schwankender
Horizont) bei der Systemführung während der
Aufnahme ausgleichen. Ferne treten während
de Gehens Auf-/Ab-Bewegungen und Stöße auf,
auch wenn man sich noch so bemüht
auf "schleichenden
Katzenpfoten" fortzubewegen.
Das ist aber an sich nicht so
tragisch, auch wenn man sich natürlich
bemühen sollte derartige Bewegungen
schon bei der Aufnahme zu vermeiden.
Ganz vorzüglich kann man aber
solche Unzulänglichkeiten der
Handheld-Schwebessystem per Mercalli-Plugin
in Premiere Pro CS3 oder noch besser
mit dem Freeware-Plug-in "Deshaker"
nachträglich glätten. Wie
man dabei vorgeht, habe ich bereits beschrieben:
In
der Summe aller Bemühungen
schöne Schwebeaufnahmen zu
machen, wird man auch sehr
gut belohnt mit
Kamerafahrten deren Wirkung
bei weitem Aufnahmen von
einem starren Stativ übertrifft!
5.
Henkelmann für Sony HDR-HC3
Ein
"Henkelmann" an der
Oberseite der Kamera ist nicht zum
Eindruck schinden da, es ist ein
weiteres Kamerastativ, wenn auch ein
sehr simples, so dass man es leicht
selber machen kann. Die Idee dazu
ist natürlich nicht neu...
Mit
diesem Griff dort kann man allerhand
anstellen, z.B. einfach die Kamera
bequem daran tragen oder aus einer
ganz anderen Kameraeben aus,
unterhalb der Hüfte, interessante
Aufnahmen machen ohne dass man den
eigenen edlen Körper in die Tiefe
zwingen muss. Viele Lebewesen sollte
man nicht von oben herab, sondern auf
Augenhöhe filmen, Kinder und
Tiere zum Beispiel, auch aber Blumen
oder Objekte wie z.B. Steine. Den
Kontrollmonitor kann man ja nach
oben schwenken, so dass man die
Szene gut im Blick hat.
Nun
hat meine Kamera keinen
Standard-Zubehörschuh, immerhin
aber ist ein AIS-Zubehörschuh für
Lampen- oder Mikro-Adapter
vorhanden. Ich habe eine lange
M6-Schraube genommen und den
Schraubenkof auf ca. 1mm Dicke
abgedreht und rechteckig gefeilt, so
dass man den Schraubenkopf in den
Schlitz der Kamera einführen
konnte. Nun noch eine Beilagscheibe
drübergestülpt und mit der
Kamerahalterung vorsichtig
verschraubt. Nun noch gegen die
Beilagscheibe dann ein kurzes
16mm-Alu-Rohr mit dem ca. 110mm
langes Griffrohr mit einer weiteren
Mutter klemmen.
Mit
einem Minimum an Aufwand und Kosten
habe ich damit die Funktionalität
der Kamera für bessere
Aufnahmeperspektiven in einer Stunde
Arbeitszeit erweitert.
5.
Dreibeinstativ für weiche
Stativ-Schwenks
Ich
verwende das Video-Tripod von hama
Typ GAMMA 72(4272).
Es
zeichnet sich aus durch:
3D-Panoramakopf
zum Kippen, Schwenken und Neigen
der Kamera
Schnellkupplung
und federnden Videopin
Mittelsäule
mit leichtgängiger Kurbelhöhenverstellung
3teilige
Stativbein als geschlossenen
Vierkant-Rohrprofil (25mm) mit
Schnellklemmen
Feststellbare
Querstreben
Luftdruckbremse
für Mittelsäule
Wasserwaage
& Tragegriff
Reisefreundliches
Gewicht mit 1370 Gramm, verstellbar
von 64,5 bis 151,5cm.
Der
Kamera-OIS/EIS werden abgeschaltet
bei Verwendung dieses Statives.
Fazit:
Nun meint man, ich ziehe wohl einen Bollerwagen hinter mir mit
den Stativen auf Touren herum...
Nein, so ist es nicht, ich überlege vorher mit welchem Stativ ich ins Gelände gehe...,
meist habe ich das BPH-MiniStabi
und
das BPH-MiniSteady dabei auf Touren.
Habe
mir eigentlich immer eine kompakte Ausrüstung zum Aufnehmen von
gut aufgelösten Video gewünscht, mit dem Sony HDR-HC3/Canon
HV30 Camcorder und den hier vorgestellten Stativen habe ich das in sehr
guter Qualität realisieren können.
Machen und nicht meckern...
Link-Tipps:
-
Vielleicht
möchte jemand das
hier lieber kaufen (850 €uro)
-
Hier
ein sehr günstiges Schwebestativ (155
€uro)