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Farb- und Bildmanipulationen

Weniger Videolook, mehr Farblook 

Die eine Videokamera liefert nach der Aufnahme sympathischere Grundfarben, die andere weniger schöne Farbgebung. Zwar kann man in den Kamerasettings einige Anpassungen auch für die Farbgebung bei der Aufnahme vornehmen, wie z.B. eine andere Gammakurve im "KINO-MODUS" oder eine andere Farbtemperatur mit Hilfe der "Weißabgleichfunktion", die volle Bandbreite der Farbgestaltungsmöglichkeiten bietet dann aber eher ein Videoschnittprogramm evtl. mit entsprechenden Plug-in an.

Stimmung und Gefühle im Bild kann man sehr gut u.A. mit Farben ausdrücken, besonders gut haben das weltberühmte Maler realisiert wovon man sich in vielen Museen überzeugen kann. 

Die Eingriffsmöglichkeiten in die Farbgestaltung des Videos sind sehr vielseitig. Dies beginnt schon bei der Kalibrierung der Kamera per Graukarte mit dem Weißabgleich und setzt sich fort im Videoschnittprogramm mit diversen Filtern und Plug-ins.

Durch geschickte Nacharbeitung können Videos durch Farbe und Kontrast sehr profitieren. Die Videoschnittprogramme bieten eine Reihe von Werkzeugen zur Farbkorrektur an, wobei die Suche nach einem bestimmten Look die Verstellung vieler Parameter erfordert. Das ist sehr zeitraubend und oft bekommt man es doch nicht so hin wie erwartet oder gewünscht.

1. Farbstimmungskorrektur vor der Aufnahme an der Kamera

Videokameras liefern nicht immer von Haus aus eine zufriedenstellende Farbgebung. Oft ist es z.B. besser den Weißabgleich manuell und nicht automatisch vorzunehmen.

weissabgleich

In diesem Bild wird grob angedeutet, wie schon bei der Aufnahme die Farbstimmung und die Herausarbeitung von Details alleine durch den Weißabgleich beeinflußt werden kann.

graukarte

Im Bild die Graukarte als wichtigstes Kalibrierungswerkzeug für die Abstimmung der Kamera vor der Aufnahme auf die Lichtverhältnisse am Einsatzort (hier habe ich beschrieben wie man mit einer Graukarte arbeitet).

Eine Einstellungsalternative zum Weißabgleich wäre die Aufnahme einer Farbtafel mit der Kamera unter bestimmten Lichtverhältnissen und gleichzeitige Beobachtung am Vectorscope etc. von Premiere Pro CS3 oder On Location CS3.  Diese Methode eignet sich vor allem zum Abgleich von zwei verschiedenen Kameras mit unterschiedlichen Farbaufnahme-Eigenschaften.

Die Suche nach geeigneten Presets für eine Kamera kann sehr komplex sein, siehe zum Beispiel diese Homepage.

Im Sommer produziert die Canon HV 30 einem leichten Rosafarbstich (wegen des hohen Infrarotanteiles) der mir nicht gefallen hat. Hier habe ich mich schon einmal damit beschäftigt. Selbst in diesem Blog ist vom Rosafarbstich bei Sonnenschein berichtet und empfohlen worden ein Heliopan Filter "Video 103" aufzusetzen, was ich auch tue.

Umfangreiche Einstellungen der Bildstils erlaubt die Canon EOS 550 D, was man unter Punkt 4 dieser HP-Seite erkennen kann. Man kann einfach einen der sechs kameraeigenen Bildstile oder einen der drei selbstdefinierten. Zu den selbstdefinierten wird man greifen, wenn man einen besonderen Farblook haben möchte, z.B. "Kodachrome 25" oder einen "Flat-Picture-Style (flaues aber voll durchgerzeichnetes Bild)" wenn man erst in der Postproduktion einen Farblook kreieren möchte.

2. Farbkorrekturen

Hierbei geht es mir nicht darum einen bestimmten Farbstimmungs-Looks auf das gesamte Video zu produzieren, sondern um eine Korrektur kleinerer Unzulänglichkeiten in der Farbgebung des aufgenommenen Clips. Das können Unzulänglichkeiten sein wie mangelhafter Weißabgleich, Farbstimmungsänderung während eines vertikalen Schwenks einem Kirchturm entlang (z.B. aus dem Schatten heraus am Fußpunkt bis zur Spitze die im vollen Sonnenlicht steht), zu unterschiedlichem Zeitpunkt aufgenommenen Clips die aber im Video dann doch nebeneinander liegen und durch eine sprunghafte Farbstimmungsänderung den Betrachter stören können. 

Im Punkt 1 habe ich vom leichten Rosafarbstich bei Aufnahmen mit Canons HV30 im Sommer berichtet.  Ich habe in eigenen Tests festgestellt, dass man z.B. mit dem Filter Farbanpassung(01) aus den JPSEffects für Pinnacle Studio 14 lediglich den Schieber "Gamma Rot" klein wenig zurücknehmen muss und schon ist das Video um den Rosastich "entfärbt", im Falle wenn man vor der Aufnahme vergessen hat den Heliopan Filter "Video 103" aufzusetzen.

tp-1

HV30-Originalframe (verkleinert), kurz nach einem heftigen Regen

tp-2

Gamma Rot von 1 auf 0,9 reduziert

tp-3

Helligkeit von 100 auf 95% herabgesetzt

Je nach Geschmack kann man die Farbstimmung auch in andere Richtungen "verbiegen"...

Ein sehr wichtiges Werkzeug ist der Filter "Weißabgleich" in der Nachbearbeitung um damit Farbstiche aus der Aufnahme zu entfernen. Ferner ist ein Filter wie "YUV-Kurve" sehr sinnvoll da man damit zum Beispiel in unterbelichteten Bereichen mehr Details herausholen kann. Mit dem Filter "Region" in EDIUS Neo zum Beispiel kann man einem im Video selektierbaren Bereich bestimmte Filter zuweisen, z.B. "Helligkeit oder Kontrast" im Farbabgleich. Je nach Videoschnittprogramm können diese Filter unterschiedlich benannt sein und die Steuerung der Wirkung sich unterscheiden.

Aus meiner Erfahrung heraus ist es wichtig sich am Anfang auf wenige Filter zu konzentrieren und die Anwendund an einigen Clips zu übern. Wenn man das sicher beherrscht, kann man  mit Hilfe dieser Filter bis zu 90% der Unzulänglichkeiten im Clip korrigieren.

Der obigen PDF-1 von Adobe kann man entnehmen, dass bei umfangreichen Farbkorrektureingriffen immer eine bestimmte Korrekturfolge eingehalten werden sollte:
    1. Schwarz-, Weiß- und Graupunkte korrigieren
    2. Luminanz ändern
    3. Gesamtfarbschatten entfernen
    4. Glanzlichter, Mitteltöne und Schatten ändern
    5. Luminanz-, Chrominanz-Werte begrenzen
Diese Arbeitsfolge gilt ganz allgemein für alle Programme die Farbkorrekturen durchführen können.

3. Farbstimmungs-Look produzieren 

Bevor ein Film ins Kino oder auf den TV-Bildschirm kommt, durchläuft er eine Bearbeitungsstufe, in der festgelegt wird, wie die Farben, der Kontrast, die Bildhelligkeit, also letztlich der »Look« des Filmes letztlich aussehen sollen. Dieser Arbeitsschritt findet in der Regel kurz vor Ende der Fertigstellung statt und wird als Color Grading bezeichnet.

Magic Bullet Looks von Red Giant ist ein Werkzeug, welches bereits vorgefertigte Farbstimmungs-Looks liefert die sofort auf einen Videoclip angewendet und im Schnittprogramm oder auf einem sekundären Vorschaumonitor in Full-HD beurteilt werden können. Magic Bullet Looks wird als Plug-in mit Pinnacle Studio 12 Ultimate z.B. mitgeliefert in der SE-Version.

Nach der Auswahl eines Looks können wir noch einige Parameter selbst verändern. Dafür gibt es eine Werkzeugkiste, hier kann man sich selbst an um eine Änderung bemühen.

Bilder: oben Kamerabild, unten mit Filter Warm Stock 01

Nachfolgend nun ein kleines Beispiel von mir mit ein paar Aufnahmen aus unserem Garten:

 

Magic Bullet Looks - Test von Bruno Peter Hennek bei Vimeo.

Für höhere Auflösung bitte bei Vimeo ansehen.

Eugenia gab mir neulich den Rat, dass sich für den Farbstimmungs-Looks der Canon HV30 am besten die Kamerainstellung:

"Bildeffekt Neutral"(Moduswahlschalter P) und "Kino-Modus"

eignen, also etwas flauere Clips mit weniger Kontrast und Farbsättigung.

Die Zuschaltung des Kino-Looks per KINO-MODUS (statt P, statt Av und Tv) bei Tageslicht macht unter Umständen Sinn, da sonst u.U. die Kontraste zu stark ausfallen können. Dies könnte z.B. der Fall sein bei hohen Lichtkontrasten um die Mittagszeit in den Mittelmeerregionen.

Der Kino-Modus entspricht in etwa dem CINE-Gamma der Kurve [CINE1] des obigen Bildes welches eigentlich aus der Bedienungsanleitung der Canon XLH1 stammt. Diese Tonkurve ist nicht so hart wie die typische Videodarstellung. Das Bild erhält einen größeren Dynamikumfang bei der Aufnahme, bei wenig Licht wird das Bildrauschen deutlich weniger augenfällig, auch zum Überstrahlen neigende Objekte werden deutlich besser gezeichnet. 

Beispiel mit einer Aufnahme im "Kino-Modus" und Color-Grading siehe hier

Die Berechnung der angewendeten Farbstimmungs-Looks auf die Videoclips  für die Vorschau dauert schon eine Weile, es lohnt sich aber ganz sicher!

Im Gegensatz zur Herangehensweise der Hobbyfilmer, versuchen Profis Videos nicht im Camcorder mit dem finalen Look zu drehen, sondern neutral. Vom Kontrast und Gamma her werden Videos sehr flach um dem vergleichsweise kleinen Kontrastumfang der Videokameras ein Schnippchen zu schlagen und so möglichst viele Bildinformationen aufzuzeichnen. Der Kontrast wird dann im Colorgrading angehoben, nicht aber auf das ganze Bild, sondern auf einzelne Farben und Elemente. Auf diese Weise hat man maximale Kontrolle über alle Details im sichtbaren Bildausschnitt, siehe Vimeo-Beispiel.


4. Cartoonr von NewBlueFX

Ein sehr schönes und kostenloses Plug-in - Cartoonr - gibt es von NewBlueFX. Mit diesem Plug-in kann man aus Videos aquarellartige Kompositionen gestalten.

Videobeispiel:

Newbluefx Cartoonr, Cel Animation von Bruno Peter Hennek bei Vimeo.

 Dieses Plug-in ist kostenlos, ein großartiges Geschenk von NewBlueFX.

Herstellerhomepage

5. Visual Color Correction für AVISynth

6. Grundlagen Color-Grading

7. Luminanzstauchung aus dem Videoschnittprogramm heraus

8. Chroma Interpolation von 4:2:0 auf 4:2:2

Eine sehr schöne Demonstartion dazu findet man hier. In diesem Fall ist Cineform's NeoScene als Kompressor eingesetzt worden. Wie man in der Demonstration sieht, erreicht man damit mehr Detailzeichnung. Mit  Canopus HQ-AVI (in EDIUS Neo z.B.)  kann man das ebenfalls  realisieren.

Linktipp: Klick!

Viel Spaß bei der Arbeit!

 

20. Juni 2008, 26. Januar 2010, B.P.Hennek

 


Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt, seine Nutzung ist dem privaten Bereich vorbehalten. Ein Nachdruck oder die Übernahme in andere Datenbanken oder Medien ist ohne Erlaubnis nicht gestattet - diese wird aber in der Regel gern erteilt
 

Anfragen bitte an den Verfasser: Bruno Peter Hennek.

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