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UHD, FHD, HD-Lowligtvideos entrauschen

Auch wenn ich es schon meist bei der Aufnahme vermeide bei zu geringer Beleuchtungsstärke zu filmen (Kontrolle der Lichtverhältnisse mit dem LUX-Meter), kommt es doch vor, dass ich es in Ausnahmefällen doch schon gemacht habe, z.B. bei einer abendlichen Abschiedsfeier im Camping-Restaurant in der Nähe von Cabo Negro in Marokko. Selbst meine hier beschriebenen Settings der Canon HV30 haben da unter diesen Lichtverhältnissen nicht mehr weiter geholfen trotz zugeschalteten kameraeigenen LED-Leuchte. Die Aufnahmen waren unangenehm verrauscht, ich wollte sie aber trotzdem in meinem Reisefilm noch verwenden.

Was also tun?

Ich entdeckte per Internet das Plug-in Neat Video Pro, eine qualitativ hochwertige Lösung bei verrauschten Videos...

UHD, FHD, HD-Lowlightvideos entrauschen
mit Neat Video Pro als Plug-in für verschiedene Schnittprogramme

Die oft schlechte Lowlightfähigkeit der Consumer-Kameras mit den kleinen Aufnahmechips und vielen Bildpunkten (zu hohe Packungsdichte) ist auch auf die Verwendung schlechter Entrauschungsfilter in den Kameras zurückzuführen. Es kommt zum Bildrauschen/Farbrauschen nicht nur bei Lowlight sondern auch bei Tageslicht. Für den Betrachter ist besonders störende natürlich das Rauschen bei Lowlight/Dunkellicht.

Im Falle der Canon HV30 mit dem 1/2,7" Aufnahmechip hat einen Pixelpitch (Einzelsensorgröße!) etwa
2,4 µm. Die Rauschfreiheit bei einem CMOS-Aufnahmechip liegt aber erst bei ca. 6 µm nach /5/.
Meine V-DSRL Canon EOS 550 D mit dem APS-C Aufnahmechip hat einen Pixelpitch von 
4,17 µm nach /6/. Das ist schon deutlich günstiger um rauscharme Aufnahmen zu erhalten. Eine Canon EOS 5D Mark II hätte mit dem Vollformatsensor einen Pixelpitch von 6,39 µm.

Das Entrauschen mit dem entsprechenden Standard-Entrauschungsfilter in diversen Videoschnittprogrammen ergab zum Teil enttäuschende Ergebnisse und das Entrauschen mit dieser Methode brachte auch nicht das was ich anschließend mit dem Plug-in Neat Video Pro für Pinnacle Studio 12/14 (101,03 Euro) und später auch in Premiere Pro CS3 erzielen konnte.

Das Neat Video Pro Plug-in gibt es für verschiedene Videoschnittprogramme:

  • Adobe After Effects
  • Adobe Premiere Pro
  • Apple Final Cut Pro, Final Cut Express, Motion
  • VirtualDub (kann auch in AviSynth Scripts eingesetzt werden und in Avid Liquid 7 via VDub2RTFX)
  • Sony Vegas Pro / Movie Studio
  • Pinnacle Studio, ab 05.Mai 2015 auch für Studio 18.5.1
  • EDIUS Pro 6.5 seit dem 08.02.2013
  • Standalone-Version

Neat Video Pro entfernt das Bildrauschen/Farbrauschen und Kompressionsartefakte

Wichtig ist es im ersten Setting-Menü festzulegen ob es sich um Progressiv- oder Interlaced- Videomaterial handelt. Zusätzlich kann hier das Kästchen "Adaptive Filtration" aktiviert werden um die Filtration dem sich ändernden Rauschverhalten im Clip anzupassen. 

Bei einem höheren Filter-Radius als 1 arbeitet die Entrauschung aggressiver und damit auch langsamer. Ferner kann man mit der Wahl von "Threshold" vorgeben wie sensitiv die Filtrierung bei Bewegungen im Video arbeiten soll.

In diesem Plug-in kann man eine ganze Reihe von weiteren Parametern einstellen zur Verbesserung von Lowlightaufnahmen, auch eigene Entrauschungs-Profile können angelegt und später verwendet werden. Man kommt um eigene Tests mit dem Neat Video Pro nicht herum. Stellt man die Parameter zu "scharf" für die Aufnahmesituation ein, kann es zu einem unschönen wachsartigen Bildeindruck kommen.

Im Bereich Device Noise Profile wird zunächst ein Kamera-Rauschprofil erstellt, automatisch oder manuell. Hierfür markiert man einfach mit dem Mauszeiger einen Bildbereich, der möglichst wenig Details enthält. 

Ein so erstelltes gerätebezogenes Kamera-Rauschprofil kann man unter einem eigenen Namen speichern und dieses Profil dann auch auf andere zu entrauschende Clips später anwenden. Natürlich kann man auch mehrere Kamera-Profile anlegen. 

Die Vorgehensweise bei der Entrauschung kann auch für die Entfernung von Film Grain eingesetzt werden. In beiden Fällen muss man entscheiden wo das Rauchen/Film Grain am meisten stört, in den Lichtern oder in den Schatten.

Der Original-Clip im ersten Test hatte folgende Aufnahmedaten:

F 1,8 bis 2,2, 1/50sec, Gain 21 bis 27 dB (herausgelesen aus dem Band mit HDVdataMon).

Klar, dass es bei dieser starken Restlichtverstärkung rauschen muss, es ist aber einfach fantastisch was man mit Neat Video pro noch aus verrauschten Clips herausholen kann!



Bild: Frameausschnitt(1:1) vor und nach der Entrauschung mit Neat Video Pro

Man kann mit Neat Video Pro das Bildrauschen/Farbrauschen aus dem Clip herausfiltern und gleichzeitig leicht nachschärfen, so dass man noch einen brauchbaren Clip für das Projekt bekommt.
Ein anschliessendes Color-Grading des entrauschten Clips verbessert die Situation nochmals weiter.


Neat Video Pro liefert das beste Entrauschungsergebnis aller mir bisher bekannten Entrauschungs- methoden, auch Chrominanzrauschen (Farbrauschen) in Form von unterschiedlich großen bunten Punkten/Flächen z.B. im Videobild werden "ausgebügelt". Mit dem Entrauschen kann gleichzeitig auch nachgeschärft und auch Helligkeit und Kontrast oder das Profil der Entrauschung korrigiert werden.

CPU-Auslastung mit dem Plug-in:

Das Vorschau-Rendering*) dauert schon eine Weile, auch mit einer Q6600-CPU, wobei die vier Kerne um die 80% ausgelastet sind.

Um die Entrauschung zu kontrollieren, muss man sich nach dem Rendering sofort auf dem sekundären Full-HD-Monitor das Ergebnis ansehen um evtl. noch einmal die Parameter zu verändern.

Bei dem finalen Rendering geht es an den Stellen mit Neat Video - Einsatz ebenfalls etwas zäher mit dem Rendering zu. Zumindest Pinnacle Studio 12 nimmt hier nicht die schon angelegten Vorschaudateien für das Smart-Rendering, es wird neu durchgerechnet.

Qualitätsvergleich mit verschiedenen Entrauschungsmethoden nach /1/

Von Adobe selbst wird in /2/ u.A. ebenfalls auf Neat Video hingewiesen:

Das beste Filterergebnis wird von Neat Video erzielt, siehe Seite 58 der Diplomarbeit /1/.

Geschwindigkeitstest in dieser Diplomarbeit /1/ auf Seite 56, Tabelle 7:

  • AfterEffects „Körnung entfernen“ 2360 ms bzw. 3874 ms

  • Neat Video 466 ms bzw. 716 ms

Neat Video Pro arbeitet also vielfach schneller!

Fazit von mir:

Neat Video Pro lohnt sich sehr, Adobes-Filter "Körnung entfernen" landete in der Diplomarbeit nach /1/ auf dem letzten Platz!

*) mittlerweile verfüge ich über einen Videoschnitt-PC auf Basis des Intel-Prozessors i7-870, 8GB RAM, unter Windows 7-64Bit. Das Vorschaurendering mit diesem neun Videoschnitt-PC hat sich nun deutlich verkürzt. Ferner ist noch Clipmaterial einer Canon EOS 550 D Spiegelreflexkamera hinzugekommen mit h.264-AVC im MOV-Container. Auch dieses Material läßt sich sehr wirkungsvoll entrauschen.

Herstellerhomepage 

Neu ab 05. Mai 2015:

Neat Video gibt es jetzt mit erweiterter Funktionalität als Version 4: Klick!
In der neuesten Version 4 kann das Plug-in mit dem "Dust and Scratches-Filter", auch Film Kratzer, Staub und Impulsstörungen zu entfernen.

Hinweis: Mittlerweile - Februar 2017 - gibt es schon die Version 4.5

Vorführvideo: Klick!
Demonstration des Herstellers: Klick!
Entrauschen in EDIUS Pro 8.3x:
Klick!

/3/ Nichtrauscher in wenigen Schritten mit Neat Video Pro

/4/ Praxis Handbuch für Neat Video Pro von Filmpraxis

Bruno Peter Hennek, 25. Juli 2009, Revision 06.04.2017



 

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