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Deinterlacen von HDV-Material

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Jeder Hobby-Videofilmer sollte sich einmal mit dem Deinterlacing seines Interlaced-Materials beschäftigen um die Vor- und Nachteile besser zu erkennen.

Soll ein Video für eine digitale Projektion mittels Projektor/Beamer hergestellt werden, dann muß das das Rohmaterial deinterlaced werden zur Beseitigung der unschönen Interlace-Streifen. Das Video wirkt anschließend etwas weicher.

Nachfolgend beschreibe ich kurz den Vorgang des Deinterlacing am Beispiel Premiere Pro 2.0 -> Frameserver -> VirtualDub mit entsprechendem Filter.

Unsere Consumer-Videokameras erzeugen Interlaced-Videos (auch HDV-Kameras), d.h. Videos die aus zwei Halbbildern bestehen und die zueinander zeitlich versetzt aufgenommen worden sind.

Sehr drastische Beispiele sieht man z.B. hier. Bei der Wiedergabe auf einem TV-Sichtgerät merken wir kaum etwas davon. Ältere TV-Geräte zeigten z.B. nur Halbbilder, dafür 50 Pro Sekunden die in unserer Wahrnehmung zu einem Bild verschmelzen. Neuere HDTV-Geräte haben einen Deinterlacer an Bord um aus zwei Halbbildern ein Progressivbild (Vollbild) zu erzeugen. Viele Zuspieler zum TV-Sichtgerät verfügen ebenfalls über einen Deinterlacer, in diesem Fall wird das Sichtgerät von der Berechnungsarbeit entlastet. Software-Player /6/ für die Darstellung von von Videos auf PC-Monitoren verfügen ebenfalls über verschiedene Deinterlacing-Schalter die zu aktivieren sind um die Streifenbildung zu unterdrücken. Alle diese Deinterlacer arbeiten mit verschiedener Qualität, besser ist es, wenn man das Video gleich in der Postproduction deinterlaced, wenn man es so für die Präsentation braucht.

Für folgende Einsatzfälle sollten wird unsere Videos deinterlacen:

  • Projektion mittels Projektor/Beamer

  • Wiedergabe auf PC-Monitoren

  • Vor dem Resizen, egal ob Vergrößerung oder Verkleinerung

  • Wenn fortlaufende Einzelframes einer Sequenz benötigt werden

  • Wenn das HDV-Material auf PAL-Format anschließend skaliert werden soll*

* es gehen weniger Details verloren, Treppeneffekte durch Skalierung werden vermieden, man bekommt auch durch die Wahl eines 4:2:2 Subsamlings ein besseres Luma- und Chroma-Sampling im Intermediate-File als im ursprünglichen HDV-File was zur besseren Farbdarstellung führt. 

Sinnvoll ist es außerdem Texteinblendungen erst nach dem Deinterlacen einzublenden, d.h. das Deinterlacing sollte an erster Stelle der Videobearbeitung erfolgen.

In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit dem Filter "smart deinterlace (2.8 beta 1)", den man in dem Videoschnittprogramm VirtualDub einsetzen kann. Wir erhalten nach der Procedur des Deinterlacens ein Progressiv-Video. Am Ende der Beschreibung gehe ich noch kurz auf das Deinterlacing per AfterEffects ein.

Für das Deinterlacing benötigen wir folgende Dateien/Programme:

Smart.vdf
VirtualDub
(ich benutze die deutschsprachige Version!)
Frameserver

Zunächst installiert man VirtualDub und man läßt dafür eine Schaltsymbol-Verknüpfung auf dem Desktop anlegen. Jetzt kopiert man die Datei Smart.vdf in das Plugin-Verzeichnis von VirtualDub.

Bezüglich Frameserverinstallation in Premiere Pro 2.0 habe ich hier etwas verfaßt.

Wir starten jetzt P-Pro legen ein HDV-Projekt an und laden einen Clip in die Timeline und übergeben diesen Clip per Frameserver an VirtualDub. Das Vorgehen ist identisch mit dem Vorgang mit der Übergabe zum Deshaker.

Deinterlacing des Clips in VirtualDub:

Wir starten VirtualDub mit der Schaltfläche vom Desktop aus...

  1. Mit der Tastenkombination Strg + O laden wir den vom Frameserver vorbereiteten Clip in VirtualDub

  2. Wenn wir an dem Timeline-Schieber in VD etwas ruckeln wird der Clip sichtbar. 

  3. Wir sehen nun sehr schön die Interlacing-Streifen, siehe oberes Bild aus einer Bewegungsaufnahme...



    Bild: oben ein Frame mit Interlaced-Streifen, unten ein Frame mit Deinterlaced-Streifen

  4. Jetzt klicken wir auf der Menüleiste auf Video/Filter. Es geht ein Fenster auf und dort klicken wir auf den Schalter "Hinzufügen". Jetzt werden sämtliche Filter angeboten, wir wählen "smart deinterlace (2.8 beta 1)" und klicken auf OK. Es geht jetzt das Einstellfenster des Deinterlaces auf:



    Wir stellen die Optionen so ein wie im Bild dargestellt ein...

  5. Klicken wir jetzt auf OK, dann bekommen wir das untere Bild von Punkt 3 zu sehen

  6. Wir starten VirtualDub nun mit "Enter"

  7. Per Taste F5 können wir uns in der Vorschau ansehen. Gegebenenfalls  ändern wir die Filter-Parameter  um andere Ergebnisse zu bekommen.

  8. Vor einer Ausgabe in eine Datei können wir NACH dem Deinterlacen noch die Videogröße (bzw. Auflösung) für das Endformat ein in dem wir den Filter "Resize" hinzufügen. Wir starten per "Enter" erneut VD. 

  9. Mit der Taste F7 können wir jetzt den Clip als AVI abspeichern. Davor legen wir die gewünschte Kompression fest.

Dieses so erzeugte Video können wir nun der weiteren Bearbeitung per NLE zuführen um zum Beispiel jetzt erst die Beschriftung/Titel hinzuzufügen.

Deinterlacen mit AfterEffects

Eine weitere und noch bessere Möglichkeit Deinterlaced-Videos zu erstellen, bietet AfterEffects zum Beispiel. Hier wird das Interlaced-Video einfach zweimal in das Projektfenster geladen und mittels Einstellung einmal als "Upper Field First" und einmal als "Lower Field First" interpretiert. Das Video mit der "Lower Field First" - Interpretation sollte unter dem anderen Video auf der Timeline liegen. Nun muß man lediglich noch das neue Video herausrendern. 

Der Weg zur weiteren Deinterlacing-Perfektion führt dann zur Linksammlung nach /3/ und /4/.

Blitz aus Interlaced-Video entfernen:

Sind nur sehr wenige Frames davon betroffen(kurze Blitzzeiten), muß man zuerst das Video deinterlanen und dann die Timeline auf 1-Bild-Raster strecken und die überblitzten Frames einfach herausschneiden.

Im Netz findet man einige weitere Tipps dazu:

  1. Das Zeilensprungverfahren, Grundlagen für die Video- und Bildbearbeitung: Klick!
  2. Blitzbilder per AviSynrh entfernen: Klick!

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Viel Erfolg mit Deinterlacing!

 

Linksammlung:

1. Smart Deinterlace Filter

2. Was ist Deinterlacing?

3. So werden halbierte Bilder wieder ganz

4. Wandlung von HDV in PAL-Format

5. Video Enhancer

6. Deinterlacer in PowerDVD 6

7. Deinterlacing (Wikipedia)

Bruno Peter Hennek, 05.08.2007