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Umwelt in Schlesien

Umweltschäden nicht wahrgenommen

Das Thema Umwelt ist in den letzten 50-60 Jahren in Schlesien nicht bewußt wahrgenonomemn worden. Auch wenn Schlesien selbst nicht so dicht besiedelt ist wie die alte Bundesrepublik Deutschland, so sind die angerichteten Umweltschäden in Schlesien gewaltig. Die Sanierung der Umwelt in Schlesien wird von der EU auf 15 Milliarden €uro (Status 2003!) geschätzt und dieses Geld ist auch bei der EU nicht vorhanden.

Wer durch Schlesien reist, sieht die Nadelholzstangen ohne Nadeln auf der Schneekoppe, der riecht den Schwefel im Waldenburger Tal und der sieht natürlich die furchtbaren Zerstörungen im Oberschlesischen Indsustrierevier.

Bild: Unterwegs mit dem Sessellift zur Schneeekoppe

So sehr auch die Stadtzentren mittlerweile im Kernbereich herausgeputzt worden sind, so sehr die weite Landschaft in der ländlichen Provinz mit Ihren intakten Seen, Flüssen und Wäldern noch ein Naturerlebnis vermittelt, so furchtbar schmutzig und verdreckt sind so manche Stadtbezirke, Flüsse und Tümpel in den Ballungsgebieten.

Gründe für Umweltschäden...

Natürlich war es in erster Linie der chronische Geldmangel der kommunistischen Wirtschaft in Polen bis 1990, der es verhindert hat Filteranlagen in fossile Kraftwerke, Zementwerke, Chemiebetriebe oder Hüttenwerke anzuschaffen und umweltfreundliche Produktionsmethoden einzuführen oder auf regenerative umweltfreundliche Energieträger umzustellen. So ist rausgeblasen worden, was rausgeblasen werden mußte, bis die Hausdächer unter der tonnenschwerden Zementstaublast zusammengebrochen sind und der Putz von den Hausfassaden vom Schwefel zerfressen worden ist und sich eine traurige schwarze und klebrige Schicht über alles gelegt hat, was unter dem freien Himmel stand. Vom südlichen Nachbarn Schlesiens sind und werden noch einmal mit der Hauptwindrichtung Industrieschadstoffe unaufhaltsam nach Schlesien getragen.

Die Kanalisation stammt noch zumeist aus der Zeit des dritten Reiches, arbeitet praktisch ohne Kläranlagen, in der Provinz schon mal ganz ohne, was dazu führte, dass der gesamte Dreck in die Flüsse entsorgt worden ist und die Oder damit zu einem Kloakenabfluß gemacht worden ist.

Insbesondere bei der Oderhochflut 1997 hat sich gezeigt, welches Dreck in diesem Fluß über Jahrzehnte sich angesammelt hat, Ortschaften und Städte am Oderlauf sind mit einer ganzen Kloake von Schadstoffen überschwemmt worden, auch natürlich die Felder, Wiesen und Gärten. Über Jahre werden die Früchte vieler Ernten im Oderlauf mit Schadstoffen übermäßig belastet sein, was sich auf chronische Krankheiten in der Bevölkerung Schlesiens auswirken wird.

Auf den Dörfern hat sich jeder mit der Müllentsorgung selbst geholfen, auch heute noch in dem man hinter der Scheune eine Grube gegraben hat in die alles unbrauchbare geschüttet worden ist und dann die Grube wieder mit Mutterboden bedeckt hat. Auch heute noch macht man das so...

Bild: Am klaren Wasser der Brinnitze 1973 an der Hauptstrasse nach Poppelau. Etwa 30 Jahre später war an dieser Stelle leider nur noch ein Dreckloch zu sehen, weil nachfolgenden Generationen und die Gemeinde Poppelau den Umweltschutz offensichtlich noch nicht richtig verstanden haben...

Mit der Wende zu einem demokratischen Land ab 1990 ist eine Welle von Konsum-Verpackungsmaterial auf Schlesien und Polen insgesamt natürlich zugekommen, was dieses Land nicht bewältigen konnte und es immer noch nicht kann.

Mangels geeigneter Müllentsorgungsanlagen kommt das Verpackungsmaterial in den heimischen Zimmerofen oder eben in die Grube hinter der Scheune.

Die neue Hütte (Nowa Huta) vor Krakau hat z.B. 60 Tonnen Schwefel in der Stunde noch vor 10 Jahren abgegeben. Die so belastete Luft hat sogar die Goldkuppel der Sigismundkapelle auf dem Wavel zerstört nach jahrelanger Belastung. Erst kürzlich ist diese Goldkuppel völlig erneuert worden. Mittlerweile sind Betriebsbereiche der Neuen Hütte stillgelegt und andere Bereiche mit Filtern ausgerüstet worden.

Polen wird noch Jahrzehnete benötigen um in der Vergangenheit Vernachlässigtes in der Umwelt zu richten.

Gebäudeschäden

Verlassene Schlösser, Paläste, Kirchen und Wohnhäuser sind, soweit nicht durch Kriegseinwirkungen und Umweltnelastung, im Kommunistischen System Polens durch Vandalismus zerstört worden. Man kann das im heutigen Schlesien überall noch beobachten, nur rohe und ungebildete Menschen ohne einem eigenen geschichtlichen Hintergründen können sowas anrichten.

Bild: In einem Schalkendorfer Wohnhaus im Jahre 2003 nach der Oderflut 1997

Ich zitiere hier mal folgendes aus einem Buch, welches in Polen aufgelegt wird:

"Der zweite Weltkrieg, neue Ideologien, die Tatsache, dass diese Bauobjekte keinen rechtlichen Besitzer hatten, Rachsucht für persönliche Kriegskränkungen, aber auch eine spezifisch verstandene "historische Gerechtigkeit" förderte Vernichtung, Ausrauben und sogar Brandstiftung mancher Bauten. Der Stand vieler gebliebener Baudenkmäler ist heute sehr schlecht. Der Prozess langsamer Verwüstung dauert leider an!"

Quelle: "Schlesische Schlösser und Paläste - Oppelner Land", ADAN-Verlag, ISBN 83-908136-4-5 (erworben 2003 in Oppeln)

Allerdings findet man gerade in Schlesien auch viele gute Beispiele sehr guter Aufbauarbeit. Es wird allerdings noch viel Geld, auch Bundesdeutsche Hilfe, nötig sein und vor allem Zeit, bis die gröbsten Wunden in der vorhandenen Bausubstanz geheilt worden sind.

Ökologische Landwirtschaft in Schlesien

Polen hat sich auf der Biofach 2006 im Februar in Nürnberg als das Land des Jahres präsentiert mit Buntprospekten ("Die polnischen Bauern haben schon immer wenig Kunstdünger verwendet...) über intakte ökologische Landschaften und großen Bemühungen die dort angebauten Lebens-MITTEL im reicheren Europäischen Westen zu verkaufen, dies alles eingebettet in folkloristische Darbietungen mit Stickerinnen und Holzschnitzern um auch gleichzeitig für die AGROTURYSTYKA zu werben.  

Die Zahl der biologisch wirtschaftenden Betriebe in Polen hat sich von 2.286 im Jahr 2003 um stolze 65 % auf 3.760 bis Ende 2004 erhöht. Bereits seit 2001 regelt ein Gesetz den ökologischen Anbau. Die bebaute Bio-Fläche soll bis Ende 2006 auf 200.000 ha anwachsen. Ein eigenes, staatliches Bio-Logo gibt es in Polen nicht. Man nutzt das EU-Bio-Siegel: gelbe Ähre auf blauem Grund im Sternenkreis. Als Zusatz weist der Schriftzug "Rolnictwo ekologiczne" auf den Bio-Anbau hin, als Sicherheit dient die Angabe der Kontrollstelle.

Man konnte fast eine senkrechte Linie durch dei polnische Landkarte ziehen, es waren fast nur Aussteller aus dem polnischen Osten präsent von Mazowien bis zu den Beskiden. Unter der Bezeichnung Wojewödztwa ¦laskie war lediglich die Region Czestochowa, Katowice, Rybnik und Bielso-Biala vertreten. Wo aber waren das Oppelner Land und ganz Niederschlesien geblieben? Wird dort evtl. die ökologische Landwirtschaft nicht gefördert und warum? Habe dazu keine Antworten auf der Biofach von den polnischen Ausstellern bekommen...

Teresa Sienkiewicz-Mi¶, die Gattin meines Schulfreundes Engelbert Mi¶ (Chefredakteur vom Schlesischen Wochenblatt) verfasste schon vor längere Zeit zwei Beiträge zur Situation der Ökologischen Landwirtschaft im Oppelner Land:

KOZA DAJE SZCZʦCIE

KTO KUPI EKOLOGICZNEGO KRÓLIKA?

für diejenigen die polnisch lesen können. 

Schutz besonderer Landschaften in Schlesien

Überragend ist wohl das Anliegen Polens zum Schutz von besonderen Landschaften. Überall sind Natur- und Landschaftsschutzgebiete eingerichtet worden, die es auch wirklich sind. Wege für naturliebende Wanderer sind markiert und es erwartet einen eine wirklich erlebenswerte Natur.

Bild links: Reste der Schalkendorfer Windmühle

Umwelt und Feuchtgebiete aus der Wojewodschaft Oppeln im Wetlands-Projekt

Ziel des Projektes ist die Wiedergewinnung, der Schutz sowie die ausgeglichene, nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung von Feuchtgebieten. Damit sind Feuchtgebiete im weitesten Sinne gemeint: Seen, Ufer- und Flutzonen von Flüssen, Küstengewässer, Lagunen und Sumpfgebiete. Das EU-Projekt wird durch die Zusammenarbeit von Italien, Polen und Deutschland realisiert.

Bild: Die Oder im Park von Stobrawa

VORWORT

Feuchtgebiete stellen sehr komplexe Landschaftselemente dar und ein Erbe, dessen Wert auch aufgrund der Rolle, die sie spielen bei der Herstellung eines ökologischen, hydrologischen und teilweise auch klimatischen Gleichgewichts und aufgrund des Reichtums an biologischer Vielfalt, über das sie verfügen, das eigentliche Gebiet, in dem sie vorkommen, weit überschreiten. Aufgrund ihrer ökologischen Merkmale stellen sie auch einen entscheidenden Faktor bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dar. Gleichzeitig führt das Vorhandensein von so verschiedenartigen Potentialitäten auch dazu, dass diese Gebiete extrem gefährdet sind durch Eingriffe, die in Zusammenhang stehen mit den verschiedenen Nutzungsformen, die zu Ungleichgewichten führen können und somit eine Gefahr für die Integrität und das Überleben dieser Gebiete darstellen können.

Die Anerkennung der Tatsache, dass die heute bestehenden Feuchtgebieten Relikte von weitaus größeren Gebieten darstellen, zeigt auch deutlich, wie wichtig ihre Bewahrung ist.

Dazu müssen aber geeignete Managementformen entwickelt werden, die in der Lage sind, einen Ausgleich zu finden zwischen den Schutzbedürfnissen der natürlichen Lebensräume und denen, die in Zusammenhang stehen mit der Präsenz des Menschen und dessen Aktivitäten.

Bild: Überschwemmungsgebiet

Das integrierte Management stellt anerkanntermaßen ein Instrument dar, das es ermöglicht, eine Management- und Nutzungsstrategie der natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen zu entwickeln, die in der Lage ist, die Bewahrung und die nachhaltige Entwicklung von Feuchtgebieten zu garantieren. Angesichts der beachtlichen Zersplitterung und Unterschiedlichkeit der Zuständigkeiten und Interessen in bezug auf Feuchtgebiete ist es in der Tat unerlässlich, einen Vergleich und einen Ausgleich zwischen verschiedenen Bedürfnissen zu schaffen.

Das Projekt Wetlands hat es sich zum Ziel gemacht, dieses Thema zu vertiefen, um die allgemeinen Konzepte des integrierten Managements und der nachhaltigen Entwicklung präziser zu definieren und allgemeine Leitlinien und Ansätze zu erarbeiten, die es erlauben, diese Prinzipien auch konkret umzusetzen. Ziel dieses „Abschlussberichts“ ist es folglich, einen Beitrag zum Nachdenken über dieses Thema zu liefern und den vielleicht schon bekannten Themen eine Ordnung zu geben, die aber auch angesichts des Austausches von Erfahrungen und unterschiedlichen Kulturen ihre Geltung bewiesen haben und die eine Allgemeingültigkeitaufweisen, die über den Einzelfall weit hinausgeht.

Die Komplexität des Themas und die große Zahl der Akteure, die in den verschiedenen Partnergebieten am Management von Feuchtgebieten beteiligt sind, hat es notwendig gemacht, dass zahlreiche Fachleute unterschiedlichster Gebiete in das Projekt miteinbezogen und konsultiert wurden, denen wir an dieser Stelle gerne danken würden für den unerlässlichen Beitrag, den sie zur Debatte und zur Heranreifung von einigen Intuitionen über den Austausch und das Einbringen von Erfahrungen gegeben haben. Über physischgeografische, wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede hinaus zeigen die wichtigsten Probleme, die in Zusammenhang stehen mit den Feuchtgebieten, gemeinsame Aspekte und Linien, die trotz aller Unterschiede, in einem integrierten Ansatz die beste Lösungsmöglichkeit finden.

Das Bild, das von diesem Abschlußbericht gezeichnet wird, will keine Patentlösungen oder „Rezepte“ für das integrierte Management von Feuchtgebieten geben, sondern vielmehr die wichtigsten Probleme unterstreichen, die notwendigerweise angegangen werden müssen und einige mögliche Wege, Modalitäten und Verpflichtungen aufzeigen, die dabei helfen können, sich auf eine Form des Managements von Feuchtgebieten einzulassen, ohne diesen die wirtschaftlichen Möglichkeiten oder Nutzungspotentiale zu nehmen, die Bewahrung garantieren, und die landschaftliche und ökologische Bedeutung anzuerkennen, indem man dem Reichtum, den sie für das Landschaft darstellen, den richtigen Wert beimisst.

MARTA SCARELLI

Transnationale Koordinatorin des Projektes Wetlands

Einzelheiten über das Gebiet der Wojewodschaft von Oppeln sind der PDF-Datei zu entnehmen (2.6 Wojwodschaft von Opole Seite 16 bis 59)

Bitte hier klicken !

Umwelt und Feuchtgebiete im Wetlands-Projektgebiet

http://www.regione.emilia-romagna.it/wetlands/opole/indexeng.htm

http://www.kepemep-cree.org/NetWet/project_map/wt_poland_gb.htm

http://www.biosphaerenreservatmittlereelbe.de/biores/biores_deu/projekte/proj.htm

Ausgabedatum: 10.01.2005, 28.02.2006 (c) Bruno Peter Hennek

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Anfragen bitte an den Verfasser: Bruno Peter Hennek