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Meilensteine Schlesiens ...


Die Geschichte Schlesiens ist sehr eng verknüpft mit der Geschichte Polens, Preußens, Böhmens, Österreichs und Deutschlands. Immerhin kann man auch auf ca. 600 Jahre gemeinsamer Deutsch-Polnischer Siedlungsgeschichte zurückblicken, die im 13. Jahrhundert begonnen hat.
Schlesien ist stets beherrscht worden und die Menschen dort sind zuletzt 1945 auch noch Hitlers Opfer geworden.

Der Deutsche Orden, Friedrich der II, Bismarck, Hindenburg, Hitler - im Geist des Mythos von Tannenberg (Hindenburg: 1914 Sieger gegen Russland in der Schlacht von Tannenberg) haben Deutsche Verbrechen begangen deren Unmenschlichkeit und Ausmaß mit nichts vergleichbar sind, was Deutsche den Polen angetan haben. Der vom Deutschen Boden ausgegangene 2. Weltkrieg hat den Polen etwa sechs  Millionen Kriegstote beschert. 

Es ist wichtig darüber unsere Generation und unsere Kinder zu informieren, ich bezweifele aber sehr, ob eine informiertere Menschheit zugleich eine klügere ist und sich von der Geißel der  Kriege befreit.

Daten zur Geschichte Schlesiens
mit persönlichen Einflechtungen ab 1943

 

Kelten, Germanen, Hunnen und Slawen
400 v. Chr. Die Kelten ziehen nach Schlesien
200-100 v. Chr. Germanische Besiedelung durch Lugier, Wandalen, Silinger und "Oder-Warthe Gruppe". Der Name Schlesien leitet sich von dem Teilstamm der Silinger ab, die bis zum 4 Jh. das Land in Besitz hatten und dann nach dem Westen abzogen.
400 n. Chr Die Auswirkungen des Hunneneinbruchs in Europa um 375, der Schlesien nicht direkt traf, scheinen das Land um 400 erreicht zu haben. Die Germanen ziehen teilweise fort. Ein Teil der Silinger schloß sich damals den westwärts ziehenden asdingischen Wandalen an. Das silingische Königtum in Schlesien ging jedoch erst ein Jahrhundert später nach dem Zusammenbruch der hunnischen Macht im Donauraum unter. 
600 n. Chr. Slawische Stämme lassen sich in Schlesien nieder. Die verbliebene germanische Restbevölkerung vermischt sich mit den Slawen, die nun in die freien Gebiete einsickern, z. B. die Opolanen und die Golenzizi im 7. Jahrhundert n. Chr.
um 900 n. Chr. Böhmischer Herzog Vratislav I gründet die Grenzburg Vratislavia (Breslau)
Schlesien als Teil des polnischen Staates
966 Fürst Mieszko I. aus dem Herrschergeschlecht der Piasten lässt sich taufen und vereint dort Polanie sowie benachbarte Stämme unter seiner Herrschaft
1000 In Gniezno (Gnesen) wird die erste polnische Kirchenprovinz eingerichtet. Kaiser Otto III. des germanischen Reiches besuchte auf einer Pilgerreise von Rom aus  im Jahre 1000 das Grab des heiligen Adalbert in Gnesen und erhob dort Herzog Boleslaw I. Chrobry (der Tapfere, 992-1025) zum "Bruder und Mitarbeiter des Reiches".

Gründung des Bistums Breslau als Teil der polnischen Kirchenprovinz mit seinen Rechten auf große Gebiete Oberschlesiens.

1024 Der Name Polen erscheint erstmals in der Geschichte auf, als sich Boleslaw I. Chrobry mit päpsttlichem Segen zum ersten polnischen König krönen lässt.
1200 Aufhebung der polnischen Senioratsverwaltung, die Bindung an Polen lockert sich.
Die deutsche Besiedelung
1200 Heinrich I. holt deutsche Siedler aus Franken, Thüringen, Sachsen (Meißen), aus dem Mährischen und aus dem Flämischen ins Land. Er öffnet das bewaldete riesige Gebiet Schlesien den deutschen Siedlern, die dem Land ihre Fortschrittlichkeit im wirtschaftlichen Leben bringen sollen.
1202 Hedwig (von Andechs) Herzogin von Schlesien gründet das Zisterzienserkloster Trebnitz bei Breslau in Schlesien.
1223 Gründung von Alt-Schalkendorf (mein Geburtsort!) nach Deutschem Recht. Das Dorf taucht unter verschiedenen Namen in der Geschichte auf: Scholkovic, Sulkowicz, Sodilkowicz, Sodolkowicz, Siedlkowitz, Scholkowic, Scholkowicz, Sielkowic, Siolkowitz, Sielkowitz, Szalkowitz, Sialkowicz, Siolkowicz, Szolkowicz, Schiodlkowicz, Schiolkowitz, Schalkowitz, Alt-Schalkowitz, Alt-Schalkendorf, Stare Siolkowice.
das dorf wird als "Scacowici" in der Liste aller Dörfer die zum Kloster Czarnowanz gehören aufgeführt.
1241 Die Mongolen überschreiten die Oder (Odra) bei Ratibor (Racibórz). Der Mongoleneinfall richtet große Zerstörungen an.
1242 Zahlreiche Dörfer und Städte werden nach deutschem Recht gegründet
Die böhmische Periode
1335 Im Vertrag von Trentschin verzichtet König Kasimir III. von Polen für immer auf Schlesien, sh. auch hier.
1339 Verzicht vom König zu Krakau erneuert.
1355 Als böhmisches Lehen kommt es mit Böhmen unter Kaiser Karl IV. zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
1430 Große Verwüstungen durch den Einfall der Hussiten. 1435 Ende der Hussitenkriege. Das Land steht am Rande des Ruins.
Die Österreichische Periode
1526 Schlesien und Oberschlesien kommen zu Österreich.
1639 - 1646 Schwedische und kaiserliche Truppen verwüsten Schlesien. Zerstörung, Plünderung und Seuchen vernichten und entvölkern vor allem die Städte, die ihre alten Bevölkerungszahlen erst im 19. Jahrhundert und teilweise überhaupt nicht mehr erreichen.
Unter preußischer Herrschaft
1740 1. Schlesischer Krieg:
Friedrich der II drang 1740 nach Schlesien ein und schlug dort 1741 die österreichischen Truppen. Maria Theresia musste fast ganz Schlesien abgeben, bis auf die Grafschaft Glatz.
1742 2. Schlesischer Krieg:
Zum Zweiten Schlesischen Krieg kam es, nach dem Karl Albrecht von Bayern, der Gegenspieler Maria Theresias, zum Kaiser (Karl VII.) gewählt worden war und Preußen deshalb fürchtete, seine Beute Schlesien könnte wieder verloren gehen. Der preußische Sieg führte zum Frieden vom Dresden, der die Herrschaft Friedrich II. in Schlesien bestätigte. Schlesien wird zwischen Österreich und Preußen geteilt.
1756 3. Schlesischer Krieg:
Weil Friedrich II. die Annäherung zwischen Frankreich und Österreich als Bedrohung empfand führte er - später auch mit Unterstützung des russischen Zaren Peter III - einen siebenjährigen Krieg, der am Ende dazu führte, dass der größte Teil Schlesiens preußisch wurde.
1763 Hubertusburger Frieden. Neuziehung der Grenzen, fast ganz Schlesien bleibt preußisch.
um 1800 Zur polnischen Sprache wird jetzt auch in deutscher Sprache in Schalkendorf unterrichtet
1806 Die Franzosen rücken in Schlesien ein.
1813 Nach der französischen Niederlage in Rußland geht von Schlesien die Erhebung gegen Napoleon aus.
um 1828 Erster Kartoffelanbau in Schalkendorf
1846/47 Große Trockenheit und Hungersnot auch in Schalkendorf
1848 Aufruhr und Revolution in Schlesien. Auf dem Lande Bauernaufstände.
1866 Einführung der Selbstverwaltung.
1871 Viele Schalkendorfer polnischer Herkunft verlassen das Dorf um sich eine neue Zukunft in Brasilien aufzubauen, sh. auch hier.
1878 Es wird nur noch in deutscher Sprache in Schalkendorf unterrichtet
Nach dem Ersten Weltkrieg
1919 Durch den Versailler Vertrag wird Oberschlesien durch Teilungen zerrissen.
August 1919 Der erste polnische Aufstand verfolgte das Ziel des Polnischen Nationalkomitees - in Paris gegründet - Regionen in Schlesien mit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung in das Gebiet Polens einzubeziehen.
August 1920 Der zweite polnische Aufstand im oberschlesichen Industrierevier führte zum Beschluß der Teilung Oberschlesiens, der aber nicht vollzogen werden konnte und man sich deshalb an der Völkerbund wandte.
3.Mai 1921 Der dritte polnische Aufstand in Schlesien der zu einer entscheidenden Auseinandersetzung zwischen polnischen Einheiten und dem "Selbstschutz Oberschlesien" am 21. Mai 1921 auf dem Annaberg führte und der nun schließlich zur Abtretung von Ostoberschlesiens an Polen führte.
1921 Volksabstimmung in Oberschlesiens mit 59,6% zugunsten Deutschlands in Oberschlesien und 40,4% zu Gunsten Polens.

Am 20. Oktober 1921 beschloss die Kommission der Botschafter der Entente die Abtretung Ostober-  schlesiens an Polen. Die Teilung Oberschlesiens führte zur Abwanderung vieler Deutscher aus Ostoberschlesien. Damit ist aber auch das Industrierevier im Westen Oberschlesiens gewachsen. Gleiwitz rückte nun ins Zentrum der Industrie Scvhlesiens.

1939 Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Überfall auf den Sender Gleiwitz (Gliwice). Am Abend des 31.8.1939 überfiel der SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks zusammen mit fünf oder sechs in Zivil gekleideten SS-Leuten den Sender Gleiwitz. Das laufende Programm wurde unterbrochen, über den Sender wurde ein Aufstand der polnischen Minderheit ausgerufen. Ein Toter, als "Konserve" bezeichnet, wurde als "Beweis" für den angeblichen polnischen Überfall in der Sendeanlage deponiert, nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei. Dieser fingierte Überfall sollte neben anderen, auf ähnliche Weise inszenierten Übergriffen Hitler den Anlass zum Krieg gegen Polen liefern. Der Sieg über Polen bringt die Wiedervereinigung Schlesiens, jedoch vertieft die einsetzende Germanisierungspolitik den Gegensatz zwischen Deutschen und Polen. 
1943 In Alt Schalkendorf im Kreis Oppeln komme ich Bruno Peter Hennek auf diese vom einem brutalen Krieg schwer gezeichnete Welt.
1944

Mein Vater Paul Hennek verabschiedet sich von meiner Mutter und mir im Mai 1944 am Oppelner Hauptbahnhof vor dem Transport an die Deutsche Ostfront in Moldavien. Er kommt kommt in der Zeit vom 20. August bis 28. August im Kessel von Kischinew um. In der Katastrophe zwischen Dnjestr und Pruth haben nur 20.000 von über 170.000  Soldaten der neu aufgestellten 6. Armee den Rückzug zum Ostufer der Pruth geschafft. Dort sind auch die Reste von der Roten Armee vernichtet worden. Nur ca. 350 Rückkämpfer der 6. Armee und ca. 1200 Mann der 8. Armee haben sich bei den deutschen Auffangstäben zurückgemeldet.

Die Russen meldeten später 106.000 Gefangene. Die Zahl der Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft wird mit 70.000 angegeben.

Quelle: "Ostfront 1944", Dörfler Zeitgeschichte und Suchdienst des Deutsche Roten Kreuzes.

Nach dem zweiten Weltkrieg
1945 Schlesien kommt unter polnische Verwaltung. Vertreibung der deutschen Bevölkerung beginnt (Vertreibungsdekrete von Bierut!), wobei vor allem in Niederschlesien fast alle Deutschen davon betroffen sind. Von den 4,82 Millionen in Schlesien bei Kriegsende wohnenden Deutschen sind 550.000 umgekommen. 1950 lebten 3,25 Millionen Schlesier in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR, während sich noch 700.000 in Schlesien befanden. Ebenfalls nach Angaben von 1950 wohnten in Niederschlesien noch 10% "Einheimische" und in Oberschlesien 55% "Einheimische". Die übrigen Einwohner Schlesiens zu diesem Zeitpunkt waren Vertriebene aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten und aus anderen polnischen Regionen.

Internierungslager für Deutsche:
Zwei der berüchtigsten Lager sind ab Juni 1945 in Lamsdorf und Schwintochlowitz von der polnischen Untergrundbewegung ohne staatlichem Auftrag eingerichtet worden. Dort wir Rache genommen an der aus dem Umland zusammengetriebenen Bevölkerung. Alleine in Schwintochlowitz kommen von 5107 Lagerhäftlingen 1855 um!

Bild: Skizze des Lagers Schwintochlowitz

Quelle: www.deutsche-und-polen.de (ORB)

1945 Meine Mutter reist im Herbst 1945 mit ihrer Freundin von Schlesien aus nach Deutschland um bei den dort eingerichteten Suchdienststellen etwas über den Verbleib ihres Mannes und meines Vaters zu erfahren. Während Ihre Freundin eine gute Nachricht über den Verbleib ihres Mannes dort bekommt, wird meiner Mutter lediglich gesagt, dass mein Vater als vermisst gemeldet werden muss, da von seiner Einsatzstelle bisher niemand zurückgekommen ist. Sie reist daraufhin alleine wieder zurück zu ihrem Sohn nach Schlesien.
1953 Am 5. März stirbt der Diktator Stalin, den wir Kinder der Schalkendorfer Grundschule vor dem russischen Ehrenmal gedenken müssen. Die geistige Kolonisierung und Isolierung der Menschen in Schlesien durch die kommunistischen Regierung Polens geht aber weiter... 
1955 Die Ostblockstaaten verkünden das offizielle Kriegsende mit Deutschland.

Aufgrund vergeblicher Suche meiner Mutter nach meinem Vater, musste mein Vater zwischenzeitlich amtlich für Tod erklärt werden.

1956
bis
1958
Von 1956 an war es dann möglich Ausreiseanträge in die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines Abkommens zur Familienzusammenführung zu stellen. Bis 1958 sind Ausreisende mit 504 Sonderzügen in das Aufnahmelager Friedland gebracht worden. Nach deutscher Statistik sind in dieser Zeit 132.494 Aussiedler aus Polen im Rahmen der Familienzusammenführung in Deutschland aufgenommen worden.
1958 Im April 1958 verlassen meine Mutter ich Schalkendorf und damit auch Schlesien in die Bundesrepublik Deutschland. Zwei Wochen vor dem Ausreisetermin habe ich mich bei der Verwaltung des Gymnasiums in Groß Döbern abgemeldet. Sogleich mußte ich das Gymnasium verlassen.
1965

Das Versöhnungszeichen der polnischen Bischöfe vom 18.11.1965

Nach Abschluß des II. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 - 8. Dezember 1965) wird ein Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Kollegen veröffentlicht. Der darin enthaltene Satz "Wir vergeben und bitten um Vergebung" wird in der Folge von der katholischen Kirche in Deutschland übernommen und zum wichtigsten Leitmotiv der christlichen Versöhnung zwischen Polen und Deutschen.

Zu den Unterzeichnern des Briefes zählte auch der am 02. April 2005 verstorbene Papst Karol Jozef Wojtyla

1970 Ab 1970 kam es erneut zu einer Ausreisewelle - bis 3000 Personen täglich. Wegen Schwierigkeiten in polnischen Industriegebieten wurde die Ausreisewelle bis 1975 stark reduziert.

Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschen und Polen durch den "Kniefall" am 08.12. 1970 von Bundeskanzler Willi Brandt bei seinem Besuch in Warschau.

1973 1973 erlaubten die Polen reisewilligen Schlesiern aus Deutschland den Besuch Schlesiens mit dem eigenen PKW und ohne Einschränkungen, wenn man von dem Zwangsumtausch der DM absieht.
1981 Am 13. Dezember 1981 wurde in Polen der Kriegszustand ausgerufen. Damit hofften die kommunistischen Machthaber, die Freiheitsbewegung, die sich seit dem Sommer 1980 um die Freie Gewerkschaft „Solidarno¶æ“ gruppierte, zu zerschlagen. Der im August 1980 in der Danziger Werft begonnene Prozess führte im nächsten Jahrzehnt zum Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Ostmitteleuropa und zur Entstehung souveräner demokratischer Staaten in diesem Teil des Kontinents.
1985 Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges

"Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.
Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar waren andere Deutsche für den geschenkten neuen Anfang...
Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.
Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.
Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg."
1989 Während der revolutionären Umwälzungen von 1989 sind von der polnisch- kommunistischen Regierungen die wichtigsten Vertreibungsdekrete aus der Zeit von Bierut außer Kraft gesetzt worden, wie Forschungen im Sejm-Archiv vom Warschauer Zeithistoriker Prof. W. Borodziej auf Anregung vom M. Ludwig (FaZ) ergeben haben. Am 03. Januar 2003 bestätigte Herr Prof. W. Borodziej meine diesbezügliche Anfrage an ihn im ORB-Chat zu der Sendung "Deutsche und Polen" und verwies auf seine Publikation dazu im "Dialog" 61 Ausgabe 2002.
1989 Im Jahr der Wende 1989 sammelte Johann Kroll alleine in Oppeln 260.000 Unterschriften derer, die sich noch als "Deutsche" bezeichneten. Insgesamt sind 400.000 Unterschriften der Deutschen Botschaft übergeben worden.

Insgesamt geht man davon aus, dass von den 1,6 Millionen in Polen nach dem Krieg verbliebenen Deutschen, nun noch etwa 300.000 bis 500.000 in Polen leben, die meisten davon in den Gebieten bei Kattowitz, Oppeln und Tschenstochau.

1990 Im deutsch-polnischen Grenzvertrag wird die Oder-Neiße-Linie als Grenze zwischen den beiden Staaten anerkannt..
1991 Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gut Nachbarschaftliche und freundschaftliche Zusammenarbeit
1990 Die Deutsche Minderheit in Polen wurde von den Polen 1989 anerkannt. Die Existenz einer solchen Minderheit ist von der offiziellen Propaganda über 40 Jahre geleugnet worden. Minderheitenschutzrechte werden nun eingeräumt.

Bei den Kommunalwahlen im Mai 1990 beteiligte sich die deutsche Minderheit erstmals an Kommunalwahlen. In Oppeln und rund um den Annaberg wurden 380 von 500 deutschen Kandidaten gewählt, 30 Bürgermeister stellten die Deutschen Minderheiten bis 1993. 

1991 Deutsche in Oberschlesien können die doppelte Staatsangehörigkeit erhalten, also die polnische und deutsche.

Bei den Sejmwahlen bekommt die Deutsche Minderheit (MN) 7 Sitze mit 1,17% Wählerstimmen.

Auch die folgenden Bundesregierungen hakten sich an die Reglung, auf die sich Polen und Deutschland 1991 geeinigt hatten, wonach Vermögensfragen weiterhin als offen betrachtet, von der Politik jedoch nicht thematisiert werden.

1993 Bei den Sejmwahlen bekommt die Deutsche Minderheit (MN) 4 Sitze mit 0,8% Wählerstimmen.
1994 Polen stellt Antrag auf Aufnahme in die EU
1997 Polen tritt der NATO bei und die neue Verfassung Polens trifft in Kraft. Polen ist nun ein demokratischer Rechtsstaat, der den Prinzipien der Gewaltenteilung, der Demokratie und der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet ist. Mit der Regelung der Übertragung von Hochheitsrechten auf internationale Organisationen ist eine Grundlage für den Beitritt zur Europäischen Union geschaffen.

Bei den Sejmwahlen bekommt die Deutsche Minderheit (MN) 2 Sitze mit 0,61% Wählerstimmen.

1998 Das polnische Parlament weist eine Entschließung des Deutschen Bundestages zurück, demzufolge die Aufnahme Polens in die EU an die "Lösung noch offener, Bilateraler Fragen" geknüpft wird. Gemeint ist das freie Niederlassungsrecht von Deutschen in Polen.
2001 Bei den Sejmwahlen bekommt die Deutsche Minderheit (MN) 2 Sitze mit 0,36% Wählerstimmen.
2002 Das Europaparlament schafft am 13.12.2002 die Ökonomischen Grundlagen zur Aufnahme von 10 osteuropäischen Staaten in die EU, darunter auch Polen. Der EU-Beitritt Polens ist für das Jahr 2004 geplant.

Zu erwarten ist, dass dann nach den Statuten der Europäischen Union auch in Polen ein freies Niederlassungsrecht für alle Bürger der EU, also auch der Deutschen Bürger, gelten wird!

2003

In der Erklärung zur polnischen Volkszählung gaben 173.200 Bürger an, schlesischer Nationalität zu sein.

Die Zahlen im Einzelnen:

173.200 schlesische Nationalität
152.900 deutsche Nationalität
48.700 weißrussische Nationalität
31.000 ukrainische Nationalität
12.900 Roma
5.900 Lemken
5.800 litauische Nationalität
5.100 kaschubische Nationalität
2.000 slowakische Nationalität
1.100 jüdische Nationalität
800 tschechische Nationalität

Während der gesamten Zeit des realen Sozialismus wurde die Überzeugung von der unbedingten Einheit und ethnischen Einheitlichkeit Polens gepflegt, doch die angegebenen Daten waren grotesk.

Quelle: "DIALOG" 65/2003/2004 Seite 94-96

Nach der Aufnahme Polens am 12.03.1999 in die NATO, Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrags am 16.04.2003 und Zustimmung der polnischen Bürger im Referendum vom 08.06.2003 zum EU-Beitrittsvertrag (Gesamtpolen 81,7%, in Schlesien sogar 83,4%), wird Polen zum 01.05.2004 Vollmitglied der Europäischen Union und damit wird auch Schlesien eine Region in Europa.  

Quelle: Polnische Tageszeitung Politika und
BdV-NACHRICHTEN 12-2003/1,2-2004 Seite 8

Die meisten Ja-Stimmen sind aus den schwarz markierten Gebieten des heutigen Polen nach obiger Karte für den EU-Vollbeitritt gegeben worden.

Damit dürfte der Weg der Zukunft klar vorgezeichnet sein, Polen, und damit auch Schlesien, wird ein Teil Europas. Lange genug hat es gedauert!

2004 Polen und damit auch die Region Schlesien, wird vom 01. Mai 2004 an EU-Vollmitglied
2004 Der Sejm, das polnische Abgeordnetenhaus, hat in seiner Sitzung am 4. November 2004 mit breiter Zustimmung das seit 15 Jahren diskutierte Minderheitengesetz in letzter Lesung verabschiedet. Das Minderheitengesetz in der endgültigen Fassung wurde mit 247 Stimmen angenommen. 133 Abgeordnete stimmten mit Nein und sechs enthielten sich. Damit hat die junge Demokratie in Polen dokumentiert, dass Polen endgültig in Europa angekommen ist.

Ein von der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, und dem SPD-Politiker Peter Glotz vorgeschlagenes „Zentrum gegen Vertreibungen“ löste eine der langwierigsten und schärfsten Debatten der letzten Jahre aus. Ihnen sprang Angela Merkel bei, die deutscherseits einen „Mangel an Selbstvertrauen“ konstatierte und sagte, dass für die Vertreibung als Teil der deutschen Geschichte ein nationales Projekt angemessen sei. Edmund Stoiber sah es als selbstverständlich an, dass ein Volk seiner Opfer gedenkt.
Bundeskanzler Schröder wiederum sprach sich für eine Europäisierung des Projektes aus, da sonst das den Deutschen widerfahrene Unrecht zu sehr in den Vordergrund geraten könne. Außenminister Fischer bezeichnete die Vertreibungen als Teil einer umfassenden deutschen Selbstzerstörung, in der die Vernichtung des deutschen (und deutschsprachigen) Judentums eine mindestens ebenso große Rolle spielte.
Die Debatte enthüllte, wie leicht die geschichtspolitischen Fortschritte, die im deutsch-polnischen Verhältnis in den letzten Jahrzehnten erzielt worden waren, durch das Reizthema Vertreibung in den Hintergrund gedrängt werden konnte. Dazu kam die Uneinigkeit über den Irak Krieg und die EU-Verfassung, so dass die deutsch-polnischen Beziehungen im Jahr 2003/2004 so schlecht waren wie seit langem nicht.

Der im November 1999 zum Erzbischof ernannte Nossol (geb. in Broschütz) sorgt sich bis heute um den Fortbestand seiner deutschen Volksgruppe in Oberschlesien, zumal die Abwanderung der Jugend zwar gebremst, jedoch nicht beendet ist. Im ZDF-Interview mahnte er: "(...) in gewisser Hinsicht bange ich, wir gehen einem Schlesien ohne Schlesier entgegen." Nossol hat durchgesetzt, dass ab dem 4. Juni 1989 nach mehr als vier Jahrzehnten wieder regelmäßig deutschsprachige Gottesdienste am St. Annaberg abgehalten werden konnten.

1990 noch hatten 18,3% der Einwohner im Oppelner Land ihre Mitgliedschaft zur Minderheit offenbart, während weitere 12,2% mit ihr sympathisierten.

Während die Deutsche Minderheit (MN) 1991 noch 7 Abgeordnete (1,17% Stimmen) im Sejm stellen konnte, sind es 1993 nur noch 4, 1997 nur 2 und 2001 ebenfalls nur noch 2 Abgeordnete (0.36% Stimmen).

Die politische Arbeit in der Deutschen Minderheit der Schlesier wird auf Grundschulniveau betrieben - die Elite ist ja vertrieben worden oder sie ist ausgewandert - und deshalb nicht von den Wählern mit Stimmen honoriert worden, wie die Entwicklung der Wahlergebnisse seit 1990 belegt.

Erzbischofs Nossols Sorge um den Fortbestand der deutschen Volksgruppe kann man verstehen, da bisher von den gewählten Vertretern der Deutschen Minderheit für Schlesien nicht mehr als eine museale Schlesische Dorfkultur durchgesetzt werden konnte – Wiederherstellung deutscher Gefallenendenkmäler, Aufstellung bunter deutschsprachiger Ortsschilder - die lediglich dem Tourismus in Schlesien dient, jedoch kein politisches Gewicht darstellt.

Erstaunlich auch das bisher lediglich auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Denken den vielen Deutschen Adligen, Industriellen und Unternehmer aus der Bundesrepublik Deutschland in Schlesien, die sich kaum oder gar nicht für die Deutsche Minderheit in Schlesien politisch einsetzen, obwohl sie die Wertschöpfung Schlesiens und der Menschen dort für ihre potentiellen Interessen nutzen.

Link zur Schalkendorfer Geschichte: hier

Ausgabedatum: 31.12.2002, Bruno Peter Hennek

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Anfragen bitte an den Verfasser: Bruno Peter Hennek.