SHG Chemikalien- und Holzschutzmittelgeschädigte
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Patienten sind keine Hypochonder



Modellprojekt Umweltmedizin

Glöser, Dr. Sabine

Um Umwelterkrankungen besser diagnostizieren und behandeln zu können, initiierte die KV Nordrhein ein Modellprojekt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Bei 63 Prozent der Patienten mit Verdacht auf eine Umwelterkrankung hat sich die Diagnose bestätigt.

In zwei von drei Wohnungen, in denen Schimmelpilze nachgewiesen wurden, lag die Belastung über dem Grenzwert. 39 Prozent aller Patienten gaben drei Monate nach der Diagnostik und Beratung an, ihre Beschwerden hätten sich deutlich gebessert oder seien nicht mehr vorhanden. Dies sind die Ergebnisse des Modellprojekts Umweltmedizin, das die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) zusammen mit den nordrheinischen Ersatzkassen, der AOK Rheinland, dem BKK-Landesverband Nordrhein-Westfalen und der Bundesknappschaft im Juni 1996 begonnen hatte. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hat das Projekt über zwei Jahre wissenschaftlich begleitet und die Daten der ersten 1 400 Fälle ausgewertet.Ein Umweltlabor analysierte die Innenraumschadstoffe.

An dem Modellversuch nahmen 122 Ärzte mit umweltmedizinischer Qualifikation teil. Lag bei einem Patienten der Verdacht auf eine Umwelterkrankung vor, beauftragte der Arzt ein Umweltlabor, Innenraumschadstoffe in der Wohnung des Patienten zu messen. Das Umweltlabor hat in 512 Wohnungen Schadstoffe analysiert. Nachgewiesen wurden vor allem Schimmelpilze (68 Prozent), Aldehyde (43 Prozent), leichtflüchtige organische Komponenten (34 Prozent) und Holzschutzmittel (24 Prozent).

Anhand der Meßergebnisse erfolgte eine ärztliche Beratung. Am häufigsten empfahlen die Ärzte ihren Patienten, die Wohnungseinrichtung zu verändern oder beispielsweise mit Schimmelpilzen befallene Flächen zu sanieren. Drei Monate später beurteilte der Arzt abschließend den Gesundheitszustand des Patienten. Die Vergütung für Anamnesegespräch, Beratung und Dokumentation betrug 100 DM.

Viele Patienten hatten Vor- und Begleiterkrankungen. 66 Prozent waren Allergiker, 19 Prozent litten an Stoffwechselkrankheiten. Zwei Drittel hatten seit mindestens einem Jahr Beschwerden. Als akute Symptome nannten sie vor allem Atemwegsbeschwerden, Hautprobleme, Augenreizungen und Antriebsstörungen. Entgegen den Ergebnissen früherer Studien waren die Patienten psychisch unauffällig.

Die Analysen belegten, daß Umweltpatienten in der Regel keine Hypochonder sind, kommentierte der Vorsitzende der KVNo, Dr. med. Winfried Schorre. Zudem habe man eine Lücke in der mweltmedizinischen Versorgung geschlossen, die sich bisher auf Belastungen am Arbeitsplatz konzentriert habe. Denn in das Projekt seien auch Kinder und nichterwerbstätige Frauen einbezogen worden.

Künftig sollten eindeutige Kriterien für umweltbedingte Verdachtsdiagnosen erstellt werden, forderte Schorre. Seiner Ansicht
nach muß die Innenraumanalytik auf die wichtigsten Schadstoffe begrenzt werden, da sie relativ hohe Kosten verursacht. Die Vertragspartner wollen die Umweltmedizin-Vereinbarung fortführen.

Dr. Sabine Glöser

Quelle: Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 45 (06.11.1998), Seite A-2825
POLITIK: Aktuell
 

ausgehängt von Bruno Peter Hennek,
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