SHG Chemikalien- und Holzschutzmittelgeschädigte
Maria & Bruno Hennek, Rudolf-Clausius-Str.4, 97080 Würzburg, Tel. 0931-93627, Fax. 0931-960888, eMail: Bruno.Hennek@T-Online.de
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Objektivierung von MCS in den USA



Nachfolgende Veröffentlichung bezieht sich auf die Tagung „Umweltbelastungen und Gesundheit“, die von der SPD am 26.08.98 in Bonn mit ca. 275 Teilnehmern ausgerichtet worden ist und an der auch Prof. Heuser referiert hat.
Unserer Meinung nach ist hier ganz deutlich die größere Erfahrung der amerikanischen Umweltmedizin zu erkennen. Betroffenen wird somit ein ganz wichtiger Einblick in das unterschiedliches Vorgehen bei der Objektivierung von MCS geboten.
Das Umweltbundesamt hat im offenen Brief vom 03.11.98 zum neu ausgeschriebenen MCS-Forschungsvorhaben ausgeführt: „In jüngster Zeit sind wissenschaftliche Ergebnisse bekannt geworden, die erstmalig auf eine Objektivierung von MCS hoffen lassen, was in der Vergangenheit mit der üblichen medizinischen Diagnostik nicht erreichbar war.“ Gemeint waren hier die Untersuchungen von Prof. Heuser aus den USA und von der Arbeitsgruppe von Prof. Kobal in Erlangen, wie uns das UBA auf Nachfrage am 14.12.98 mitteilte.
Das strittige MCS-Forschungsvorhaben des UBA soll über zwei Jahre laufen, mit Ergebnissen ist erst etwa im März 2001 zu rechnen. Ziel des Vorhabens ist es zu klären, ob eine Umfeldbelastung mit Chemikalien im Niedrigdosenbereich zu Erkrankungen führen kann.
Zu diesem Vorhaben sind bei dem UBA sehr viele Wortmeldungen von Betroffenen und auch aus den Reihen der Umweltmediziner (dbu e.V und DGUHT e.V.) eingegangen, zum großen Teil sehr kritische. Unsere SHG hat sich ebenfalls mit konstruktiven Vorschlägen zum Design der Studie eingemischt. Der gesamte Schriftwechsel hierzu kann in unserer Homepage abgerufen werden.

Wir danken an dieser Stelle ganz besonders Herrn Dr. Richard Ratka von der SPD-Bundestagsfraktion AG-Umwelt für die telefonische Zustimmung vom 23.03.1999 zur Erstveröffentlichung des Beitrages von Prof. Heuser auf unserer Homepage.


MULTISYSTEM SCHÄDIGUNG NACH TOXISCHER VERLETZUNG DURCH CHEMIKALIEN - EIN DIAGNOSTISCHES KLINISCHES PROTOKOLL
© Professor Gunnar Heuser, M.D., Ph.D,
F.A.C.P., F.A.C.F.E., B.C.F.E.
e-Mail: gheuser@ucla.edu

Da eine wachsende Anzahl von Chemikalien (Pestizide, Lösungsmittel, Metalle etc.) täglich in unserem Lebensraum eingesetzt werden, einzeln oder in Kombination, ist die Sicherheit dieser Chemikalien zu einem Problem von großer Bedeutung geworden.
Bei der Bevölkerung und den Regierungsstellen besteht ein wachsendes Bewußtsein wegen der potentiellen Krebs -erzeugenden Wirkungen von Chemikalien. Die Tatsache, daß Chemikalien auf die Gehirn-, Immun-, endokrinen-, Lungen- und andere Funktionen Einfluß nehmen können, wird oft kaum verstanden und deshalb nicht erörtert. 
Akute chemische Verletzung ist in vielen wissenschaftlichen Publikationen und Lehrbüchern gut beschrieben. Die Tatsache, daß sich chronische Multisystem Beschwerden nach chemischer Exposition entwickeln können, wird ebenfalls selten verstanden. 
Wann immer Multisystem Beschwerden von Ärzten nicht verstanden werden, neigen diese dazu, diese Beschwerden und die Verfassung des Patienten zu "psychiatrisieren" und Diagnosen wie psychosomatische oder somatoforme Störung, Konversions-Reaktion, post- traumatische Stress- Erkrankung und andere Diagnosen zu, benutzen. 
Mit dieser Aufzeichnung werde ich - für den Patienten mit Multisystem Beschwerden nach chemischer Exposition - eine praktische Vorgehensweise skizzieren. Das Folgende ist ein Protokoll, das sich für meine Patienten und mich gut bewährt hat. Es wird chemische Verletzung dokumentieren - sofern vorhanden - und folglich eine objektive Beurteilung der Beschwerden des Patienten ermöglichen. 
Dieses Protokoll wurde erstmalig in Jahr 1997 vorgestellt, aber damals nicht publiziert. 

Die CNS- Funktion sollte durch eine neuro-psychologische Beurteilung (incl. Tests für Simulanten) bewertet und durch einen funktionellen Gehirn-Scan (SPECT oder PET) bei den Patienten ergänzt werden, die über Störungen der kognitiven Funktion, Kurzzeit- Merkfähigkeit, Equilibrium und auch Verhaltensveränderungen und intermittierende Verwirrung klagen. 
Signifikante Anomalien können nach toxischer Exposition mittels PET dokumentiert werden. Wir haben mehr als 30 Patienten entsprechend untersucht und bewertet, bei denen sich signifikante Schädigungen der neuro- psychologischen Funktionen zeigten und deren PET Gehirn Scans hochgradig anomal waren. 
Der ursprüngliche Scan kann als Vergleichs- Basis für Nachfolge- Scans und deren 
Bewertung - im Hinblick auf künftige chemische Exposition oder Therapie - dienen.
Wenn SPECT oder PET nicht verfügbar sind, so werden EEG und Untersuchungen mit evozierten Potential (einschließlich P-300)  empfohlen.
Strukturelle Anomalien werden mit einem MRI ausgeschlossen, während die Durchgängigkeit der cerebralen Gefäße mit einem MRA Beurteilung findet.
Periphere Nervenfunktion wird auf traditionelle Weise mit der Durchführung von Untersuchungen der Nervenleitgeschwindigkeit und  mittels EMG festgestellt. Das CPT bietet jedoch eine sensiblere Testmöglichkeit und sie empfiehlt sich bei Patienten, die über Taubheit, Kribbeln, Schmerzen, Jucken und andere anomale Empfindungen - nach chemischer Exposition - Klagen. 
Eine Augenuntersuchung sollte die Frage eines Trocken-Augen-Syndroms abklären, das laufend nach chemischer Reiz- Exposition festgestellt wird und für Beschwerden wie Trockenheit, Reizung, Jucken und  für intermittierendes Verschwommensehen verantwortlich sein kann. 
Die ENT- Untersuchung dokumentiert des öfteren objektive Beweise (Atrophie, Röte) für das Vorhandensein von chronischer Rhinitis und chronischer Laryngitis. Stimmband - Reizung und/oder Dysfunktion wird ebenfalls häufig festgestellt und erklärt sodann die Beschwerden von Heiserkeit, Husten und Kurzatmigkeit. 
Die Untersuchungen der pulmonalen Funktion kann obstruktive und/oder, restriktive Schädigungen dokumentieren, die sodann die Beschwerden von Kurzatmigkeit,  Husten und Keuchen erklären. Chronisches und lange andauerndes Asthma kann sich entwickeln und über viele Jahre hinweg fortbestehen, nach selbst einer sehr kurzen inhalativen Exposition gegenüber Reiz- Chemikalien. 
Die Untersuchung des endokrinen Systems zielt auf Beweise für anomal niedrige Schilddrüsen- Funktion (sekundär auf chronische Schilddrüsen-Entzündung, die sich nach chemischer Exposition sodann entwickeln kann), aber auch auf unregelmäßige Menstrual -Perioden, Fehlgeburt und anomale Testikular-Funktion. Bei unserer männlichen Bevölkerung zeigt sich - nach chemischer Exposition laufend ein hoher Prozentsatz (zeitweilig fünfzig Prozent überschreitend) von anomal geformten Spermien. 
Eine Haut- Konsultation sollte bei Patienten durchgeführt werden, die über wiederkehrenden Hautausschlag, Striemen und Jucken klagen. Wenn der Patient über Rötungen und anaphylaktische Reaktionen klagt, ist die Durchführung einer Haut- Biopsie angezeigt. Wir haben festgestellt, daß eine signifikante Anzahl von Patienten an einer Mastzellen - Störung leiden, was deren Allergien und chemische Sensibilität erklären dürfte. Bei diesen Patienten finden sich in der Haut- Biopsie eine überdurchschnittliche Anzahl von Mastzellen. 
Die Immunfunktion verdient - nach chemischer Exposition - bei jedem Patienten eine Bewertung. Einige Komponenten (z,B. TA1 Zellen, Chemikalien- Antikörper) sind lndikatoren für eine erfolgte chemische Exposition. Andere (z.B. NK-Zellen) sind ebenfalls sehr oft betroffen und - falls unterwertig für einen signifikanten Zeitraum - könnten diese das erhöhte Krebs- Risiko bei diesen Patienten erklären. 
Eine geschädigte Immunfunktion erklärt auch, warum viele Patienten - nach chemischer Exposition - unter verschiedenen viralen, bakteriellen, fungoiden und anderen (z.B. Mycoplasma) Infektionen leiden, 
Auto- Immunität entsteht häufig nach chemischer Exposition. Ein positiver ANA und das Vorhandensein von Myelin-, Schilddrüsen- und anderen Antikörpern sind Beispiele für chemisch induzierte Auto- Immunität. Diese Reaktionen scheinen einige chemisch verletzte Patienten in die Richtung von SLE und/oder MS zu drängen.
Metabolische Anomalien können nach chemischer Exposition aufreten. Beispiele hierfür bieten die Anomalien im Porphyrin Metabolismus.
Reguläre Labor Tests finden Anwendung für das Ausschließen von Gesundheitszuständen, die keine Beziehung zu chemischer Exposition haben dürften. Diese  würden auch Anomalien der Leber- und Nieren- Funktion dokumentieren, die nach schwerwiegender Exposition auftreten können. 
Zusätzliche Untersuchungen sollten, - wann immer angezeigt - erfolgen und/oder beratende Experten hinzugezogen werden.

Chemische Verletzung kann so schwerwiegend sein, daß sie zur InvaIidisierung führt. Sie resultiert des öfteren in Multisystem - Schädigung (siehe oben) und zusätzlich in chronischer Müdigkeit und Fibromyalgie mit chronischen Schmerzen. Die Mehrzahl der Patienten wird sodann schwer depressiv. Diese Depression ist sodann natürlich eine sekundäre anstatt einer primäre Folge und wird in der Regel von Ärzten und Versicherungsträgern nicht richtig verstanden.

Zusammenfassend ist zu sagen, daß chemische Exposition ein Teil unseres täglichen Lebens geworden ist, und sie kann - bei empfindlichen Einzelpersonen - zu signifikanten und in der Regel Multisystem - Beschwerden und Schädigung führen. Objektive Tests für die Dokumentation dieser Schädigung sind verfügbar. Wenn diese wohlüberlegt Verwertung finden, dann stellen sie ein klinisches Protokoll zum Zwecke der Bewertung und Validierung  der vielen Einzelpersonen dar, die betroffen, geschädigt - und manchmal als Folge der chemischen Verletzung invalidisiert - wurden, wovon sie sich für die Dauer von vielen Jahren möglicherweise nie wieder erholen werden. 

Begriffserklärung: 
CNS - Central Nervous System 
SPECT - Single Photon Emission Computed Tomography 
PET - Positron Emission Tomography 
EEG - Electroencephalogram 
MRI - Magnetic Resonance Imaging 
MRA - Magnetic Resonance Angiography 
CPT - Current Perception Threshold 
ENT - Ear, Nose, Throat 
NK CelIs - Natural Killer Cells 
ANA - Antinuclear Antibody 
SLE - Systemic Lupus Erythematosus 
MS - MuItiple Sclerosis 

Literaturhinweise:
Ausführliche Literaturdokumentation liegt dem Verfasser vor.

Anschrift von Prof. Heuser:
Prof. Gunnar Heuser
Neuromed and Neurotox Associates
28240 W. Agoura Rd.., Suite 203
Augora Hills, California 92301, USA

Die Übersetzung der Arbeit von Prof. Heuser, aus dem Englischen,
wurde unserer Selbsthilfegruppe freundlicherweise zu Verfügung gestellt von : Ellen – R. & S. Fischer am 11.01.1999, Tel. 0211-3179593, Fax. 0211-3179593



Am 09.06.1999 referierte Prof. Singer auf der zweiten Tagung „Umweltbelastungen und Gesundheit“, die von der SPD in Bonn organisiert worden ist über das Thema "Neurotoxizität von Alltagschemikalien".

Nachfolgend einige Betrachtungen zu MCS von Prof. Singer in einer Übersetzung von Englisch nach Deutsch:

© Professor Raymond Singer, Ph.D.,P.A.
Adresse 1: - 36 Alondra Road/Santa Fe, New Mexico/87505
Adresse 2: - 180 E. 79th Street, Suite 1-C/New York, N.Y./10021
Telephone: 001-505-466-1100/fax: 001-505-466-1101/ e-mail: raysinger@aol.com

Ich habe das Folgende verfaßt, um meine Betrachtungen über MCS darzulegen.

  • Wenn sich Ärzte nicht darüber einigen können, auf welche Weise eine Krankheit zu diagnostizieren ist, bedeutet das nicht, daß eine bestimmte Krankheit nicht existiert. MCS und Konfschmerzen gehören beide in diese Kategorie, ebenso wie andere Krankheiten, wenn wir uns darüber einmal Gedanken machen würden.
  • Betrachten sie doch einmal Kopfschmerzen als ein Krankheits-Beispiel, das MCS ähnlich ist.
    • Kopfschmerz ist eine Krankheit
    • Niemand hat jemals Kopfschmerzen gesehen, dennoch stimmen wir alle darin überein, daß es Kopfschmerzen geben kann.
    • Kopfschmerzen werden aufgrund von Symptomn diagnostiziert und nicht nach objektiven Merkmalen.
    • Kopfschmerzen können nicht objektiv gemessen werden.
    • Es besteht Übereinstimmung darüber, daß es Kopfschmerzen gibt, weil viele Menschen - vielleicht uns selbst eingeschlossen - sagen, daß Kopfschmerzen existieren.
    • Es gibt Menschen, die nur geringfügige Kopfschmerzen bekommen, dennoch stimmen diese darin überein, daß wenn es leichte Kopfschmerzen gibt, es logisch ist, daß möglicherweise stärkere Kopfschmerzen ebenso existieren.
    • Es wäre lächerlich und unwissenschaftlich zu behaupten, daß Kopfschmerzen nicht existieren weil nur eine geringe Anzahl von Menschen schwerwiegend davon betroffen ist.
    • Das Fehlen von "akzeptierten" Beweisen ist kein Nachweis für ein Nichtvorhandensein.
  • Angenommen sie könnten demonstrieren, daß eine Krankheit (Kopfschmerzen oder MCS) nur einige Menschen befällt.
    • Es gibt einige Forschung über die Allgemeingültigkeit von Symptomen, die mit MCS einhergehen.
    • Es gibt Menschen, die mit einer MCS-Diagnose nicht versehen sind, die jedoch sensitiv gegenüber Chemikalien reagieren
    • und, es gibt Tausende von Menschen, die über diese Krankheit klagen.
  • Ursache von Kopfschmerzen oder MCS
    • Es steht außer Zweifel, daß es Kopfschmerzen gibt, obwohl wir die Ursachen oder Mechanismen von Kopfschmerzen nicht kennen.
  • Grundprinzip von MCS
    • Die Analogie von Allergie
    • Die Allergie wurde erst in jüngster Zeit als Krankheit identifiziert, obwohl sie zweifellos vor ihrer objektiven Diagnose existierte.
    • Hypersensibilität ist ein enerkannter medizinischer Begriff.
    • Jüngste, ausgedehnte und anerkannte Forschung über Immun-Überreaktion - vorgestellt bei einer kürzlichen Konferenz an der ich teilnahm - beschrieb teilweise, welche Mechanismen für MCS in Betracht kommen könnten. Die Über-Reaktion des Immun-Systems verursacht mehr Schäden als der ursprüngliche chemische Insult.
    • Als Erklärung mag dienen, daß wir alle unterschiedliche Sensibilität gegenüber Chemikalien haben, was sich auf unsere Verfassung und Fähigkeit unserer Organe stützt, die exogenen oder endogenen Chemikalien zu entgiften, die Schädigung verursachen können (toxische Chemikalien).
    • Wenn eine Chemikalie für einen Menschen schädlich ist und möglicherweise Gehirn-Schädigung verursachen kann (das Gehirn selbst besitzt keine Schmerz- rezeptoren), so ist es logisch, daß die Natur für einen Mechanismus gesorgt hat, der dem Menschen drohende Gefahr signalisiert (Symptome), so daß die betroffene Person weitere Berletzung (Gehirnschädigung ist kumulativ) vermeiden kann.
    • Menschen mit MCs geht es besser, wenn sie Chemikalien-Exposition meiden. Sie reagieren symptomatisch bei Chemikalien-Exposition.


    <!> - Besonders erwähnt sei die Forschung von Dr. Davidson, der MCS bei relativ einfachen Arbeitern nachgewiesen hat, die Benzin-Exposition ausgesetzt waren (Arch Environmental Health 53(3): 183-189 (1998).

    Dear Bruno,

    Thank you for referring to me on your web page and for your support.

    Raymond Singer, Ph.D.



Am 20.November 1996 referierte Prof. Dietrich Klinhardt, M.D., Ph.D. aus Seattle auf Schloß Elmau bei Garmisch-Partenkitchen über Schwermetalle. Der Vortragstext ist von der SHG-Saarland ins Netz gestellt worden unter: 

http://home.t-online.de/home/amalgami/klingh.htm

Anschrift: Dietrich Klinghardt, M.D., Ph.D., 1315 Madison #4, Seattle, WA 98104, USA



 
Aushang 23.03.99, 20.00 Uhr und 09.10.1999 um 16.15 Uhr, SHG Chemikalien- und Holzschutzmittel- geschädigte in Würzburg

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